46 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.
vermittelte in einer anderen, viel unsittlicheren Weise denUebergang von der Venus vaga zur Monogamie, nämlich durchdie Begünstigung der Blutschande, in durchaus derselben Weise,wie er später die Ehen unter Blutsverwandten begünstigte, undwahrscheinlich mit demselben Resultate, dass gerade das Gegen-theil von dem, was man zu erstreben suchte, erreicht wurde.
Die Inkas in Peru, die Edlen auf der Insel Hawaii, dieKönige in Aegypten heiratheten ihre Schwestern, um ihr Ge-schlecht rein zu bewahren. Die Tschippewas und die Widdaliheirathen oft ihre Schwestern, ihre Töchter und sogar ihreMütter 1 (Hbarnb: Journey to the North Ocecm. 1771) undebenso die Kitschi.
8. Entführung, Nothzucht. — Der Brauch indessen,der am meisten dazu beigetragen hat, die Venus promiscuazur Ehe in ibrer gegenwärtigen Gestalt umzubilden, war derder Entführung und Nothzucht, der noch sehr verbreitet istin Australien. Der Freier erwartet seine künftige Frau, diemeistens einem anderen Stamme angehört, hinter einem Zaune,betäubt sie durch einen Keulenschlag auf den Kopf, schlepptsie in diesem Zustande in seine Hütte und schändet sie (Dumontd'Urville, II. 357), oder dringt mit Hülfe seiner Freundein ihre Wohnung, erschreckt und schlägt ihre Angehörigenund schändet sie unter Stockschlägen. (Letourneau.)
Mit wenigen Abänderungen wird ein ähnlicher Mädchen-raub von den Araukanern und den Feuerländern geübt undwurde es ehemals auch von den Russen, Lithauern, Polen,Chinesen und Römern, bei denen noch Spuren davon in denbekannten Hochzeitsgebräuchen zurückgeblieben sind, (de Gu-bernatis: Miti nusiali. Mailand 1878.)
Auch einige Turkomanenstämme und die Tungusen(Prszewalski: Mongolei. II.) üben den Mädchenraub; sie ent-führen die Töchter ihrer Nachbarn oder Stammesgenossen
1 Hearne (Forsters Magazin von Eeisebeschreibungen. XIV. 128)spricht nur von den südlichen Stämmen und von den Athapuskows undNeheaways, während die nördlichen Stämme an der Hudsonsbay dieBlutschande verabscheuen, obgleich auch Vielweiberei und Weiberraubgewöhnlich sind. (Uebers.)