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1 (1894)
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45
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 45

Tausende solcher Frauenzimmer wurden in Griechenlandbei den Tempeln gehalten; so z. B. in Korinth. (Dufour,(Hist. de la prost. II.)

6. Unter den nomadischen Oyreneern desAlterthums warendie Frauen wie bei einigen arabischen Stämmen allen männ-lichen Mitgliedern der Familie zum geschlechtlichen Genüsseangewiesen.

In Tibet wählt der älteste Bruder seine Gattin, an derenGenüsse er seine Brüder theilnehmen lässt, und Alle zusammenlassen sich im Hause der Frau nieder, welche allein denBesitz auf die Kinder überträgt, weil natürlich nur ihre Mutter-schaft für dieselben gewiss ist. (Türner : Histoire des voyages.XXXI. 437.)

Bei den Toda wird das Weib zur Gemahlin aller minder-jährigen Brüder des Mannes, je nachdem dieselben heran-wachsen, und der Mann zum Gemahle der Schwestern desWeibes. Das erste Kind, welches daraus hervorgeht, hatden ältesten Bruder zum Vater, das folgende den zweiten u. s. w.(Shortt, a. a. 0. 240.)

Bei den Nair, der edlen Negerkaste in Malabar, hat dieFrau fünf bis sechs Männer, darf aber deren bis' zehn habenund lebt mit jedem abwechselnd zehn Tage zusammen. Ja, siekann sogar die Zahl der Männer nach Belieben vermehren, wennsie nur gewisse Regeln der Kaste und des Stammes befolgt,wobei die Männer zugleich andere Ebebündnisse eingehen.(Spencer: Sociologie. II.) Man ersieht daraus, dass die Viel-männerei nur eine Uebergangsstufe, eine Weiterentwickelungder Weibergemeinschaft darstellt.

Auch bei den Singhalesen sind alle Brüder die Gattenderselben Frau. Kurz, die Promiskuität geht von dem Stammeauf die Familie über. Denn auf einer gewissen Kulturstufezieht man es schon vor, dass das Eigenthum lieber nur vonden Familienmitgliedern genossen werde, als vom ganzenStamm. So dient der gegen die althergebrachte Sitte sichauflehnende Eigenwille als Förderungsmittel der Sittlichkeit.

7. Blutschande u. s. w. Doch der Familiengeist, derBegriff des reinen Blutes bei den Adeligen, den Häuptlingen,