Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 39
Der von den Indern verehrte Lingam stellte die Verbin-dung der aktiven und passiven Geschlechtswerkzeuge dar. Auchheutzutage ist das von Brama gesegnete Taly, das der Bräu-tigam seiner Braut um den Hals hängt, oft nichts anderesals ein Lingam. 1 Die Inderinnen halten in ihren Wohnungenkleine Lingams.
In Syracus wurden in den letzten Tagen des Thesmophorien-festes aus Sesam und Honig plastisch dargestellte weiblicheGenitalien unter dem Namen MvlXot, zur Schau ausgestellt;diese Sitte war in ganz Sicilien allgemein verbreitet. (Athe-
SAEÜS. XIV.)
Bei den PhaUephorien (Bacchusfest) in Griechenland trugenjunge Mädchen in feierlichem Zuge einen riesigen Phallus um-her, der sich aus einem blumengeschmückten heiligen Korbeerhob. Der Phallus wurde anfänglich aus Feigenholz, späteraus einem rothen Leder angefertigt, welche die Itiphallizwischen den Oberschenkeln trugen, so dass sich der Phallusvon ihrem Körper zu erheben schien. (Aristophanes, Wolken.V. 735.)
Beim Kultus des Bai Phegor (Priapus oder Gott derGärten) sagt Rabbi Salomo Jarchi: dicunt Sapientes nostri■mira de fabrica hujus idoli: erat enim ad speciem virgae viriliseffectum, cui se maritäbant tota die.
In den Heiligthümern von Eleusis waren- der Phallus undder KtsIc, (vnha) zur Schau ausgestellt. (Clem. Alex.: Protrept.19), und ebenso in den Tempeln des Osiris. (Plutarchus :De Iside. 365.)
2. Prostitution anstatt der Ehe. — Ursprünglich gabes also keine Ehe, und die Prostitution war die allgemeineRegel. In Australien dürfen die Mädchen im erreichten Altervon zehn Jahren geschlechtlich mit Männern verkehren undwerden dazu bei gewissen Festlichkeiten sogar aufgefordert.
Die Indianer in Kalifornien haben kein Wort für den Begriff„Ehe"; von Eifersucht ist nur dann die Rede, wenn sich einWeib einem fremden Stamm hingiebt.
1 Sonnerat, I. 79.