Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

Erstes Kapitel. Das Verbrechen und die niederen Organismen. 19

Eine ausserordentlich fruchtbare und mit Nymphomaniebehaftete Angorakatze liebte leidenschaftlich, wie die meistenHausthiere, ihre Jungen. "Wenn sie aber trächtig war, sokonnte sie dieselben nicht leiden und schlug und biss sie, wennsie in ihrer Nähe spielten.

Bubdach und Marc finden eine Verwandtschaftsbeziehungzwischen dem Kindesmorde ohne nachweisbare Beweggründe,wie er so häufig im Wochenbette begangen wird, und denmörderischen Neigungen, die bei nymphomanischen Kühen undStuten nicht nur während der Brunstzeit, sondern auch langeZeit nach derselben beobachtet werden.

Im Hamburger zoologischen Garten tödtete ein Känguruhin der Geschlechtswuth sein Weibchen und sein Junges.Das brünstige Kamel wird sehr böse, beisst Alle, auch dieWeibchen.

Bei einigen Spinnenarten stellt das Weibchen, welchesgrösser ist als das männliche Thier, demselben nach der Be-gattung nach und tödtet es nicht selten.

Huzard d. J. erzählt von einer Stute, bei der die Nympho-manie sich nur von Zeit zu Zeit äusserte. Das in denZwischenzeiten sehr ruhige Thier wurde während des Erethismus, welcher ein bis zwei, zuweilen drei Tage dauerte, unbändig.

Hildebrand erwähnt eines Hundes, der von heftigerSatyriasis ergriffen war, und da er seinen erhöhten Geschlechts-trieb nicht befriedigen konnte, wüthend und zuletzt wasser-scheu wurde.

Rice sah einmal eine Herde Büffel, welche das Blut einerverwundeten Tigerin gerochen hatten, sofort mit rasender Wuthden Spuren desselben folgen, den Boden durchwühlen undSträucher ausreissen und endlich auf der Höhe ihres Wuth-anfalls, zum grössten Leidwesen ihres Führers, sich gegenseitigzerfleischen. (Brehm, II. 55.)

Auch fehlen hier nicht die Ehebrüche, wie manchmalsolche, die wie beim Menschen die Tödtung des Gatten zurFolge haben.

Carl Vogt erzählt etwas derartiges von einem Storchen-paare, das seit mehreren Jahren in einem Dorfe bei Soletta

2»