Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
18
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18 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.

einen zahmen Hirsch hielt, der gerne unter das Publikum ging,wo er Naschwerk bekam und geliebkost zu werden pflegte.Eines Tages aber blieb er zufällig mit seinem Geweih aneinem Sessel hängen; da erschrak er so sehr, dass er dieFlucht ergriff, mit dem Sessel auf dem Geweih; sein Angst-anfall erreichte einen solchen Grad, dass er mehrere seinerGefährten verwundete und tödtete.

8. Körperliche Schmerzen. Eine häufige Ursachevon Gewaltthaten geben ferner die körperlichen Schmerzen ab.Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur einmal denöffentlichen Schauspielen beigewohnt zu haben, die mit densogenannten Riesenmikroskopen gegeben werden. In demMaasse, als das Medium, in welchem die Asellen, die Daphnien,die Cyklopen eingeschlossen sind, durch die koncentrirten Licht-strahlen sich erhitzt und schliesslich eine letale Temperaturannimmt, werden diese sonst friedlichen Thierchen grimmigund beissen einander.

9. Tödtungen aus Liebe.Doch sind vielleicht auchunter den Thieren wie unter den Menschen diejenigen Ver-brechen aus Affekt oder Leidenschaft am häufigsten, die durchgeschlechtliche Liebe veranlasst werden.

Der sonst so bedächtige Elephant geräth zur Brunstzeit beider geringsten Veranlassung in Wuth.

Bei den in Polygamie lebenden Hühnervögeln unterdrücktdas Bedürfniss der Fortpflanzung alle anderen Bedürfuisseund Gefühle; in der Geschlechtswuth sind sie wie taub undblind und werfen sich sogar auf die Menschen. (Bkehm,S. 329.)

Das Männchen der Kanarienvögel zerreisst in solchenFällen oft das Nest, zerstreut die Eier (Hoüzbau, II. 394),tödtet das Weibchen, und um es zu beschwichtigen, muss manihm zwei Weibchen geben.

Der brünstige Truthahn wird rasend und wirft sich sogarauf den Menschen. (Bkehm, S. 320.)

Cornevin erwähnt einer Stute, welche sonst ganz ruhigwar, zur Brunstzeit aber unbändig wurde und ihm einmal bei-nahe den Arm gebrochen hätte.