Erstes Kapitel. Das Verbrechen und die niederen Organismen. 17
zeiten sah man die zu den braunen Ameisen (Formica fusca)gehörenden Sklaven der Amazonenameisen die Geduld dar-über verlieren, dass ihre Gebieter sie unablässig anstiessen,um ihnen Nahrung abzufordern; sie ergriffen dann dieselbenan einem Gliede und suchten sie aus dem Neste fortzuschleppen;zuweilen bissen sie sie auch; nicht selten aber reagirten diegereizten Amazonen, ergriffen die widerspenstigen Sklaven mitden Kiefern am Kopfe und drückten immer stärker zu, bissie sie getödtet hatten. (Id.) Hier handelte es sich vonSeiten der Ameisen um ein leichtes Vergehen, vergleichbaretwa mit der Tödtung einer Sklavin durch eine römische Ma-trone, ein Vergehen jedoch, welches einen Schaden für die Artselbst bedingte, indem es dieselbe einer wichtigen Hülfe be-raubte und auch den Gewohnheiten der Species zuwiderlief,weshalb es in der Jurisprudenz der Ameisen wohl eine straf-bare Handlung darstellen dürfte. Einige Ameisen werden voneiner plötzlichen Prostration ergriffen, andere verfallen in wildRaserei und werfen sich rücksichtslos auf alle anderen Ameisen,denen sie begegnen, gleichviel ob es Freunde oder Feinde sind.(Büchner, a. a. O.) Forel sah einige, welche ihre Sklaven,die sie zu beruhigen suchten, tödteten (a. a. O.).
Es ist allgemein bekannt, dass der Elephant, je nach demMaasse der erlittenen Kränkungen, sich entsprechend rächt, in-dem er Strassenkoth oder Wasser schleudert oder den Feindzermalmt. Vor kurzem ist es vorgekommen, dass ein Elephantmit einem Schlage seines Rüssels seinen Führer tödtete, weiler ihm Tabak gegeben hatte.
Ein Bär, den ich leicht auf die Pfote geschlagen hatte,suchte mich anzupacken, und weil er es nicht konnte, so bisser in seine eigene Pfote und in das eiserne Gitter seinesKäfigs.
Ein Hund, welcher gezwungen war, sein Futter mit einemSchweine zu theilen, wurde wüthend gegen dasselbe, brach seineKette, warf sich auf das Schwein und zerfleischte ihm denBauch.
Es kommen auch Tödtungen aus reiner Angst vor. Brehmerzählt, dass man im Prater zu Wien unter vielen anderen
Lombroso, Der Verbrecher. I. 2