Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
11
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Erstes Kapitel. Das Verbrechen und die niederen Organismen. H

oder ist bedingt durch den Kampf um das Dasein (so dieTödtung der männlichen Bienen), durch die geschlechtlicheZuchtwahl, durch die in dem Interresse der Gemeinschaft be-gründete Nothwendigkeit, Zwistigkeiten zu verhindern (Tödtungder Häuptlinge) und durch das Nahrungsbedürfniss bei sehr ge-frässigen Thieren (Ratten, Wölfen), wobei sich die Thiere ganz ähn-lich verhalten wie wir, wenn wir uns mit dem Feinde schlagenoder wenn wir uns erlauben, Hühner und Ochsen zu verzehren,ohne dass uns im entferntesten der Zweifel aufkommt, ob wirhiermit nicht vielleicht ein Verbrechen begehen. Auch wennsolche Handlungen gegen die Erhaltung der eigenen Art ge-richtet sind, so werden sie doch in so grossem Maassstabe voll-führt, dass sie offenbar zu den Gewohnheiten der Art zurechnen sind. Sie sind es indes, die uns die Nichtigkeit desabsoluten Gerechtigkeitsbegriffes darthun und uns ein erstesHülfsmittel zur Erklärung des so beständigen Auftretens ver-brecherischer Neigungen auch unter den civilisirtesten Völkernliefern, wo sie trotz der sich steigernden Hindernisse nochimmer unter Formen erscheinen, die an das Verhalten derwildesten Thierarten erinnern. Sie machen es auch begreiflich,wesbalb in früheren Zeiten, wo man vielleicht im Grundekonsequenter war, als heutzutage, die schädlichen Thiere odersolche, welche sich der Schändung der dem Menschen heiligenDinge schuldig gemacht, in aller Form verurtheilt wurden. 1

1 Das Mosaische Gesetz {Exodus XXI.) strafte mit dem Tode einSind, das den Tod eines Menschen verursacht hatte; und wenn solchesmehrere Male geschah, so wurde auch der Besitzer des Eindes mit demTode bestraft. Im Mittelalter wurden die das menschliche Leben ge-fährdenden und die für den Ackerbau schädlichen Thiere verurtheilt.(Lacassagne, a. a. 0.) Unter Franz I. gab man ihnen jedoch einenVertheidiger. Im Jahre 1356 wurde in Falaise eine Sau, welche einkleines Mädchen aufgefressen hatte, zum Tode durch die Hand desScharfrichters verurtheilt. Der Bischof von Autun sprach den Bannüber Katten aus, welche heilige Gegenstände benagt hatten. BenoistSaint-Prix führt 80 Fälle derartiger Strafurtheile auf, worunter eineReihe von Thieren, vom Esel bis zur Heuschrecke, figuriren. Der Stadt-rath von Turin kaufte vom Vatikan durch Vermittelung des Gesandteneinen Bannfluch gegen die Baupen. Der Kirchenbann wurde denn auchmit grossem Pomp vom Bischof, unter Begleitung des Bürgermeisters