10 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.
Wie einige Vögel ihre Eier zerschlagen und ihr Nest ver-nichten, sobald sie bemerken, dass dieselben angerührt wordensind, so fressen einige Nager ihre Jungen auf, sobald sie ge-stört werden. — Das Weibchen der Ratte frisst in einerNacht seine junge Familie, wenn sein Nest angerührt wurde-Unter den Affen kommt es vor, dass die Weibchen des Mistiti(Hwpalc) den Kopf eines ihrer Kleinen auffressen oder ihreJungen gegen einen Baum schleudern, wenn sie zu müde sind,um sie zu tragen. Das von Cuvibr in Paris beobachteteMistitiweibchen frass den Kopf des ältesten seiner Jungen,während es sich gegen seine übrige Nachkommenschaft liebe-voll und besorgt zeigte.
Die Gurami (eine in China vorkommende Fischart) fressenihre Brut. Unter den Baumwanzen suchen die männlichenThiere ihre Brut aufzufressen, werden aber daran von denWeibchen verhindert. Bei den Katzen, Hasen, Kaninchenkommt es zuweilen vor, dass die Mütter ihre Jungen verzehren.Auch unter den Hündinnen, welche doch sonst Gefühlevon Zärtlichkeit äussern, giebt es einige, die ihre Jungen auf-fressen. — Kannibalismus und Verwandtenmord wird unter denFüchsen beobachtet, „deren Junge sich gegenseitig und zu-weilen auch die Mutter auffressen". (Brehm.)
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Das wahre Aequivalent des Verbrechensund der Strafe bei den Thieren.
1. Es dürfte wenig ernsthaft gemeint erscheinen, wenn wirdie erwähnten Handlungen der Thiere als Verbrechen bezeich-neten, sowohl die gegenseitigen Morde als auch den mit Listund in Genossenschaft verübten Diebstahl der Affen, den Haus-diebstahl der Katzen, der Elster, den Kinderraub unter denrothen Ameisen, die Kindesunterschiebung beim Kuckuk, dersein Ei in das Nest des Sperlings legt und, um diesen besserzu betrügen, einige der seinigen fortbringt. Was uns hier wieUebelthat vorkommt, ist vielmehr, wie leicht begreiflich, einenothwendige Folge der Erblichkeit, der organischen Struktur,