Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
IX
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Zur Einführung. IX

allzeit, so man es recht erwägt, unstrafbar für sein Thun, wasMenschenantlitz trägt." Einen Bundesgenossen glaubte dieseAnsicht in der Statistik zu finden, welche allerdings schon seiteinigen Jahrzehnten die Gesetzmässigkeit in den scheinbar will-kürlicben Handlungen der Menschen nachwies, insbesonderenachdem Quetelet sein berühmtes eisernesBudget des crimes"aufgestellt hatte.

Diese schwierigen Fragen können hier nur berührt werden.Nach meiner persönlicbeu Ansicht, die ich hier nicbt ausführenkann, stebe ich in Bezug auf erstere Lebre etwa auf demStandpunkte "Wahlbergs [Ges. Abhandl. I.), und glaube nicht,dass es der neuen Scbule gelingen wird, die ethischen Ueber-lieferungen der Jahrtausende zu stürzen, in Bezug auf die Sta-tistik auf dem v. Oettingens [Moralstatistih a. E.). Es giebtkeine absolute Freiheit, aber ein relatives Prinzip der Zu-rechnungsfähigkeit, womit zugleich gesagt ist, dass wir aller-dings Zahlen sind im grossen Weltganzen, aber doch nichtgerade Nullen, sondern Zahlen, die ihren Werth (wenigstenstheilweise) selbst bestimmen,

Unter strenger Leugnung der Willensfreiheit und untersteter Yerwerthung der Statistik, welche beweist, dass auf denGang der Kriminalität alles eher denn die StrafgesetzgebungEinfluss übe, bat Ferri mit dem ganzen Eifer eines jungenItalieners die Ideen Lombrosos weiter entwickelt und mehr-fach berichtigt, indem er dessen Untersuchungen nur für einenBruchtheil von Delinquenten zutreffend erachtet und eineScheidung der letzteren in verschiedene Gruppen für noth-wendig erklärt. An Lombroso und Ferri hat sich eine voll-ständige Schule angeschlossen, in welcher der Staatsanwalt zuNeapel, Garofalo, hervorragt. Nach seinem Vorgange betontdiese Schule, die sich meist die positivistische nennt, dassallein die Gefährlichkeit des Verbrechers den Maassstab derStrafbarkeit bilde. Mannigfache, oft recht spöttische Angriffegegen dieserein ideale, positivistische Schule" blieben nicht aus,