VIII Zur Einführung.
insbesondere aber zu den Kindern zurückverfolgend. Einezweite Lehre, welche überhaupt der Ausgangspunkt war, istdie Anatomie und Anthropometrie: zahlreiche körperlicheEigentümlichkeiten in Schädelbildung, Physiognomie, Haar-wuchs, Schmerzempfindlichkeit etc. treten bei den Verbrechernhervor. Eine dritte Reihe von Beobachtungen bezieht sich aufVerbrecher-Biologie und Psychologie: die krankhaftenTriebe der Delinquenten, ihre Litteratur und Handschrift, ihreReligion und Sprache, ihr ganzes Verstandes- und Gemüths-leben findet hier reiche Berücksichtigung. Soweit der ersteTheil; der zweite Theil des Werkes giebt dann gewissermaassendie Aetiologie und Therapie des Verbrechens.
Nach allen Untersuchungen des ersten Theiles stellt sichder Verbrecher dar als ein besonders gearteter Mensch. DasVerbrechen ruht in somatisch-psychischen Eigenthümlichkeiten,die durch Erziehung und Umgebung zurückgehalten werdenkönnen, aber plötzlich unter dem Einflüsse gegebener Umständewieder hervortreten: diese Umstände, Klima und Jahreszeitenund Beruf u. s. w. werden im zweiten Theile von L. ein-gehend geprüft und danach die Mittel bestimmt: Aufhebungder Schwurgerichte, Vermeidung der kriminalistischen An-steckung in den Gefängnissen, Hemmung des übermässigenEinflusses des Advokatenstandes, kalte Douchen und körper-liche Züchtigung, vor allem aber Vorbeugung durch Minderungdes Alkoholkonsums, der Jahrmärkte u. a. n.
Der allgemeine Standpunkt Lombrosos ist damit gekenn-zeichnet: er ist durchaus deterministisch, evolutionistisch, utili-taristisch. Eine starke Stütze fanden Lombrosos anthropolo-gische Untersuchungen in zwei anderen Wissenschaften: derempirischen Psychologie und der Statistik. Erstere leugnetedie Freiheit des Willens: „Die Welt ist willenlos nichts weiterals ein Kreisel, den in Bewegung setzt der LeidenschaftenGeissei; — die Leidenschaften selbst, sie sind Naturgesetze,ganz unabhängig von moralischem Geschwätze, und folglich ist