164Hier erfuhr er, daß Lohausen sich zum Abzuge rüste, und war nichtwenig darüber beunruhigt, gerade in diesem Augenblicke, wo der Feindsich immer mehr näherte. Durch den Residenten Ersken ließ er Lohausenbefragen, was er beabsichtige? Lohausen erwiederte, daß es schon längstseine Absicht gewesen sei, zum Herrn Reichskanzler zu reisen, um mitdemselben sich zu besprechen; er habe deshalb den Grafen von Branden-stein, sowie die Obersten Sattler und Abel Moda gebeten, ihm dazudie Erlaubniß Oxenstierns zu erwirken; Graf Brandenstein habe ihnvertröstet, innerhalb drei Tagen werde er Antwort erhalten. DieseAntwort möge nun ankommen oder nicht, so würde er „sich zu diesemPlatze dennoch länger nicht verstehen,“ also seinen Abschied nehmen.Der Feldmarschall ließ ihm darauf durch den Residenten Ersken aber-mals andeuten, es stände nicht in seiner Macht, eine Aenderung imGouvernement von Magdeburg eintreten zu lassen, worüber einzig undallein der Reichskanzler zu verfügen habe; da es jedoch zu „des herrnGeneral-Majors incommoditeten gereichete, länger in Magdeburg zubleiben, so wolle er wohl auf ein interim und des Herrn Reichs-Cantzlars anderwertliche ordre, den platz mit einem guten Subjectoversorgen, unterdessen die auctoritet und respect eines Gouverneursdem herrn General-Major, bis derselbe vom Herrn Reichs=Cantzlarrecht abschied genommen, verbleiben lassen.“Es mag für unsern Kriegsmann ein harter innerer Kampf gewesensein zwischen seiner Ueberzeugung von dem gegen ihn gehegten Miß-trauen und zwischen seinem militärischen Pflichtgefühl, im Angesicht desFeindes einen Posten zu verlassen, bei dessen gänzlicher Entblößungvon allen zureichenden Vertheidigungsmitteln der Ausgang einer Bela-gerung sicher vorherzusehen war. Dennoch siegte das Pflichtgefühl; aberer wollte versuchen, wenigstens mit Ehren dem Feinde entgegentreten zukönnen. Er entwarf deshalb eine Denkschrift an den Feldmarschall underklärte:Bei jetziger vorstehenden Gelegenheit und des Feindes vermuth-lichem Andringen, wolle er bis zu seiner Abforderung, Erlassung unddes Herrn Reichs=Cantzlers Erklärung bei dem gouverno verbleibensofern man es ihm in gänzlicher Vollmacht anvertrauen, die diffidenzhindansetzen und die daraus entsprungenen üblen Nachreden gleichsammortificiren, auch dasjenige, so zur Behauptung dieses Orts unumb-gänglich von nöthen, anschaffen und verordnen wollte.“Hierzu begehrte Lohausen nun ungefähr 3000 Mann zu Fuß undetwa 4—500 Dragoner und Reiter; dann Proviant und Geldmittel,besonders auch Fourage für die Pferde der Officiere und Reiter; ferner
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