109Meinung, daß Lohausen jenseits der Elbe mehr Dienste leisten könne,weshalb er entschlossen sei, ihn dort zu verwenden; darum würde derHerzog auch Lohausen nicht in seiner Abwesenheit zum Statthalterin seinem Lande ernennen können. Doch gesteht Tott zu, daß Lohausen,der die Unterhandlung mit dem Obersten Gram begonnen, dieselbe zuEnde führen und deshalb vor Wismar bis dahin verbleiben könne.Der Herzog war darüber sehr ungehalten und äußert in einem Schreibenvom 11. Januar 1632 den Wunsch, Lohausen möge zu ihm nach Mainzkommen; „dann wir nicht zweiffeln, daß Ihr hierselbsten Ihro K. Maye-stät und Unß und dem gemeinen Evangelischen Wesen gar nützlicheDienste praestiren werdet“ 22Diese drei angeführten Actenstücke sind für uns von sehr großemInteresse. Einmal erfahren wir daraus, daß Lohausen sowohl demHerzog von Mecklenburg, als auch dem Könige von Schweden durchEid und Pflicht „verwandt“ war, also eigentlich zweien Herrn diente.Dann zeigt uns die Bestallung und das Schreiben des Herzogs,welches große Vertrauen dieser in die treuen Dienste und in die Brauch-barkeit unseres Kriegsmannes setzte, den er sogar — nach dem Schreibendes Generals Tott — zum Statthalter in Mecklenburg während seinerAbwesenheit einzusetzen beabsichtigte. Endlich liefert uns das SchreibenTotts den Beweis, aus welchem Gesichtspunkte schon jetzt die Schwedi-schen Generale ihre Beziehungen zu den Deutschen Fürsten betrachteten,daß sie sich als die Herrn in dem Lande gerirten, welches allerdingsnur durch ihre Hilfe dem rechtmäßigen Besitzer wiedergegeben war.Unterdessen hatten die Unterhandlungen in und vor Wismar ihrenruhigen Fortgang gehabt. Oberst Gram wußte jedoch durch immerneue Zwischenfälle die Sache zu verzögern, so daß der festgestellte vier-wöchentliche Termin nicht eingehalten werden konnte. Erst am 10. Januarräumte er die Stadt, da ihm, unter ähnlichen Bedingungen wie beiRostock und Dömitz, freier Abzug nach Schlesien zugestanden war. Alser jedoch einige Meilen von Wismar entfernt war, ließ er einen Schwe-dischen Lieutenant von der Escorte, welcher einige Soldaten der ab-ziehenden Regimenter für den Schwedischen Dienst anwerben wollte,erschießen. Als dies der General Tott erfuhr und es sich auch heraus-stellte, daß Gram, der Capitulation zuwider, mehrere Geschütze in Heuverpackt und 300 Musketen mit sich fortgeführt, schickte er sofortLohausen mit einer ansehnlichen Truppenzahl den Abziehenden nach.Dieser erreichte sie bald, machte von den 3200 Mann, welche ausge-zogen waren, etwa 500 nieder und versprengte den Rest; 2000 Mannnahmen Dienst bei den Schweden. Der Oberst Gram und ein Kriegs-
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