Druckschrift 
Wilhelm von Calckum, genannt Lohausen
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

65zu schreiten. Bis zum Monat September finden wir von kriegerischenUnternehmungen nichts als Gefechte, bald zahlreicherer, bald kleinererStreifcorps, welche von beiden Seiten entsendet waren; alle größerenOperationen ruheten. Endlich gegen Mitte September brach der vonseinem Unfalle wieder hergestellte Dänenkönig von Hoya auf, zumEntsatz des von Tilly immer noch eingeschlossenen Nienburg und ver-anlaßte denselben zur Aufhebung der Belagerung und zum Rückzuge zu-nächst nach Minden und dann nach OldendorfInzwischen war ein Ereigniß eingetreten, welches dem ganzenKriege eine andere Wendung gab. Kaiser Ferdinand II., dessen eigent-liche Zwecke wir schon oben erörtert, konnte es nicht verschmerzen, daßseine Absichten so wenig Erfolg hatten und das begonnene Werk solangsam fortschritt. Tilly handelte zwar im Auftrage des Kaisers, aberer war nur General der Liga und sein Heer ein Ligistisches; dereigentliche Kriegsherr war der nunmehrige Kurfürst Max von Bayern,das Haupt der Liga. Ferdinand aber wollte ein eigenes KaiserlichesHeer haben, das nur den von ihm ausgehenden Befehlen gehorche, aberer wußte nicht, woher er die Mittel zur Aufbringung und Erhaltungeiner solchen bewaffneten Macht nehmen sollte. Da erbot sich Wallen-stein, ein Heer für den Kaiser zu werben, und kaum hatte er dazudie Ermächtigung erhalten, als auch schon von allen Seiten Söldnerherbeiströmten zu den aufgeschlagenen Werbeplätzen und bald die Muster-rollen ausfüllten. Mit dieser neufomirtenKayserlichen Armada trater nun auf dem Kriegsschauplatze auf und näherte sich den Grenzen desNiedersächsischen Kreises. Die nächste Folge davon war der Abfall oderdoch die schwankende Stimmung mehrerer der Kreis=Stände in Bezugauf das Bündniß mit dem Dänenkönig; denn gegen den Kaiser hattensie ja nicht gerüstet und gegen das Reichs=Oberhaupt war ja ihr Wider-stand nicht gerichtet gewesen. Die Kaiserlichen Mandate und Admoni-torien trugen auch dazu bei, diese Zweifelhaften noch schwankender zumachen. Christian IV. wäre schon jetzt verloren gewesen, wenn eineVereinigung zwischen Tilly und Wallenstein zu Stande kam. Aberkeiner von Beiden wollte sich dem andern unterordnen, und Wallenstein,der weiter aussehende Pläne schmiedete, zog auf Halberstadt, um aufeigene Rechnung zu operiren.Tilly stand in weitläuftigen Cantonirungen zwischen der Weserund der Leine; die Dänen hatten sich an der unteren Weser festgesetzt.Beide Heere beobachteten sich mißtrauisch, und erst als Tilly zur Be-lagerung von Calenberg schritt, welches er Ende October eroberte, fandein Zusammenstoß bei Seelze statt zwischen einer Dänischen Abtheilung