Druckschrift 
Wilhelm von Calckum, genannt Lohausen
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

64den Rhein entsendet, um den Mansfeldern und Braunschweigern ent-gegenzutreten. Mit der Hauptmacht setzte sich Tilly selbst an der Weserfest, wo die im Mai erfolgte Einnahme von Höxter eigentlich dasZeichen zur Eröffnung der Feindseligkeiten gab, da Christian IV. diesals einen Angriff auf den Niedersächsischen Kreis auslegte und die bisdahin hin und her gepflogenen Correspondenzen und Verhandlungenabbrach.Am 7. Juni brachen nun auch die Dänen aus dem Lager vonItzehoe auf, überschritten die Elbe, besetzten Stade und sicherten sichdie festen Plätze an der Weser: Verden, Hoya und Nienburg. Tillystand zu dieser Zeit (Mitte Juli) bei Bielefeld, welches Oberst vonGenth wieder hatte räumen müssen, und marschirte nach Blotho, wäh-rend Christian IV. Hameln besetzte, so daß beide Heere sich ziemlichnahe standen. Obgleich Tilly 40,000 Mann mit 4000 Reitern zählte,so ging er doch in seiner offensive jetzt nicht weiter vor, sondern kehrtevielmehr nach Holzminden zurück. Sein Hauptaugenmerk blieb daraufgerichtet, eine Vereinigung Christian IV. mit dem immer noch amRheine stehenden Christian von Braunschweig zu verhindern. Mans-feld war den Angriffen des Generals von Anholt geschickt ausgewichenund hatte sich wieder in die ihm wohlbekannten fetten Quartiere Ost-frieslands eingelegt. Der Dänenkönig, im Besitz der Stifte Bremenund Verden, hielt sich auch ruhig in seinen Quartieren, da er mit die-sem Besitz noch persönliche und Familien=Zwecke verband. In denOperationen trat somit ein Stillstand ein, und wiederum begannen dieCorrespondenzen voller gegenseitiger Beschuldigungen und Widerlegungenüber den Zweck der Rüstungen und die eigentliche Kriegs=Ursache, wobeidänischer Seits immer noch die Behauptung aufrecht erhalten wurde,daß man durchaus nicht gegen den Kaiser und die Kaiserliche Autorität,sondern nur gegen die Uebergriffe der Liga und für die Erhaltung derden Evangelischen zugestandenen Rechte Krieg führe.Als am 20. Juli König Christian IV. auf den Wällen von Hamelndurch einen unglücklichen Sturz mit dem Pferde dergestalt verletztworden war, daß er nach Petershagen und von dort nach Bremen ge-bracht werden mußte, zog sich sein Heer nach Verden zurück, weil mandie Kräfte Tillys für zu überlegen hielt, um im Falle eines An-griffes Stand halten zu können. In Nienburg wurde eine starke Be-satzung zurückgelassen; Hameln blieb jedoch fehlerhafterweise nur schwachbesetzt. Kaum hatte Tilly hiervon Nachricht erhalten, als er auch schonvor Hameln erschien, Ende Juli die Stadt durch Capitulation einnahmund gleich flußabwärts weiter zog, um zur Belagerung von Nienburg