45Alle Außenwerke waren nun im Besitz der Belagerer, und es tratjetzt der Zeitpunkt ein, wo zu der Eroberung der Bastionen selbstgeschritten werden konnte. In nächster Nähe derselben, auf den erober-ten Halbmonden, wurden die Batterien errichtet, welche das feindlicheGeschütz zum Schweigen bringen sollten. Zugleich wurde aus dembenachbarten Walde Reisig herangeführt, zur Füllung des Grabensbehufs Anlegung von Gallerien, mittelst welcher man an den Fuß desWalles sicher und gedeckt gelangen könne, um dort den Mineur anzu-setzen. Namentlich war es auf Bastion b abgesehen, wo die Arbeitenmit um so größerem Eifer fortgesetzt wurden, als man aus dem einemaus der Festung nach Bredenbend geschickten Knaben abgenommenenSchreiben Reuschenbergs in Erfahrung gebracht hatte, daß zwar anProviant und Munition noch durchaus kein Mangel eingetreten sei, eraber doch sehnlichst auf einen Ersatz harre.Am 19. August trafen auch endlich die Franzosen vor Jülich ein,nachdem Prinz Moritz ihnen noch fünf Cornet Reiter entgegengeschickthatte. Der Marschall de la Châtre mochte doch zuletzt bange gewordensein, daß die Eroberung Jülichs auch ohne seine Mithilfe zu Standekommen könne, deshalb hatte er seinen Marsch etwas beschleunigt.Auf dem Marsche durch das Erzstift Köln hatte sein Schwiegersohndie Stadt Köln besucht, wo ihn der Päpstliche Legat bereden wollte,sich nicht zu einem Werke gebrauchen zu lassen, welches die KatholischeReligion und deren Unterdrückung anginge, und den Ketzern keine Hilfezu leisten. Der Franzose erwiderte jedoch echt militärisch: sie müßtendem Befehl ihres Königs Folge leisten, selbst wenn sie gegen Romgeführt würden, es stehe also gar nicht bei ihnen 31)Der Platz für das Lager war bereits auf dem linken Ufer derRoer vorbereitet und durch zwei Laufbrücken mit dem Lager des Prin-zen Moritz in Verbindung gebracht. Es waren ausgesuchte Regimenterwelche der Marschall führte, darunter Compagnies d'ordonnance desKönigs unter Herrn von Vitry, eine Fahne leichter Reiter des Königs,Fahnen der Herzoge von Anjou, von Orleans, von Nevers undVendôme, des Marquis von Verneuil, endlich sechs Fahnen Cara-biniers. Zahlreiche junge Edelleute hatten sich den Truppen ange-schlossen, um hier vor Jülich einen Kriegsgang zu machen. Die Infan-terie bestand aus den Regimentern Navarra, Baligny, Vaubecourt,zusammen 26 Fähnlein à 200 Mann, und außerdem ein SchweizerRegiment von 11 Fähnlein à 300 Mann. Prinz Moritz hatte zumfeierlichen Empfang der Franzosen auch seine Regimenter ausrückenlassen und in Schlachtordnung aufgestellt. Ein Berichterstatter theilt
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