37Auch die Possedirenden hatten es nicht versäumt, gleich nach demBekanntwerden der Ermordung des Königs die geeigneten Schritte zuthun und ihre Condolenz durch besondere Schreiben zu erkennen zugeben. Der gerade mit einer Mission im Haag betraute BurggrafChristoph zu Dohna erhielt sofort Weisung, sich in Begleitung desRathes Dietrich Hesse nach Paris zu begeben und dort für das In-teresse der Fürsten zu wirken. Am 23. Mai traf Dohna in BoulogneIum25. Maiein und war den folgenden Tag in Paris, von wo aus er am 4. Juni1610 seinen Bericht erstattet. Er konnte bei der Königin nicht sofortAudienz erhalten, da er sich erst mit den nöthigen Trauerkleidernversehen mußte. Die Herzoge von Bouillon und von Villeroy ließenihm jedoch sagen, daß sie ihn sogleich zu sprechen wünschten. DieResultate dieser Besprechung will er mündlich mittheilen. Die Auf-nahme ist eine sehr freundliche gewesen. Außerdem berichtet er nochüber die Hinrichtung des Mörders Ravaillac. Unter dem 3./13. Junirichteten nun die Fürsten noch ein besonderes Schreiben in lateinischerSprache an die Königin=Regentin, welches diese unter dem 26. Junisehr freundlich als „Votre bien bonne Cousine Marie“ erwiderte, sieversprach, ihrem Sohne und nunmehrigen König die Jülichsche Sacheans Herz zu legen. Auch der 8½jährige König Ludwig XIII. schriebunter gleichem Datum an die Fürsten und versicherte sie seiner Theil-nahme. Ein Schreiben Sully's vom 10. Juni und ein Brief desGrafen von Soissons vom 18. Juni waren bereits vorhergegangenDas Resultat dieser Bemühungen war, daß die unter dem Marschallde la Châtre an der Grenze versammelten Regimenter den Befehl er-hielten, sich zum Marsch nach Jülich bereit zu halten.Ein neues Hinderniß lag darin, die Kurfürsten von Trier undvon Köln, deren Territorium diese Hilfstruppen auf dem Marsche nachJülich durchkreuzen mußten, dazu geneigt zu machen, dieselben mitLebensmitteln zu versehen. Von dem Kurfürsten von der Pfalz, demHerzog von Zweibrücken, dem Grafen von Nassau=Saarbrücken unddem Markgrafen von Baden, als zur Union gehörend, setzte man dieseBereitwilligkeit voraus. Es wurden deshalb Requisitionsschreiben andie geistlichen Kurfürsten erlassen, und diese gaben auch ihre Zustim-mung zum Durchmarsch, unter Berufung auf ihre Neutralität. Später,im Juli, wurden Bertram von Scheidt genannt Weschpfennig undCaspar von Nuinem (Nievenheim?) als Commissarien bestellt, umnochmals bei den Kurfürsten von Köln und Trier das Nöthige wegendes Durchmarsches zu veranlassen und sich alsdann zu dem Marschallde la Châtre zu begeben, um ihn als Marsch=Commissarien zu begleiten.
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