30hatte neuerdings Fürst Christian von Anhalt gute Botschaft gebracht.Das wichtigste Ereigniß war jedoch der von den Evangelischen Fürstenund Ständen der Union auf dem Conventstage zu Schwäbisch=Hall(eröffnet den 17. Januar 1610) gefaßte Beschluß, sich auch thätlich derSache der Fürsten anzunehmen und zu deren Unterstützung Truppenaufzustellen. Der Dortmunder Vergleich wurde als zu Recht bestehendeBasis anerkannt und ein Schiedsgericht, aus den Herzogen von Wür-temberg und von Holstein, dem Markgrafen von Baden=Durlach unddem Fürsten Christian von Anhalt bestehend, sollte den Rechtspunktuntersuchen und dann entscheiden, ob Brandenburg, ob Neuburg derMeistberechtigte sei. Der Gesandte Heinrichs IV., Mr. de Boississowie die ebenfalls in Schwäbisch=Hall anwesenden Gesandten Englands,Dänemarks und der General=Staaten, hatten sich mit diesem Beschlußeinverstanden erklärt.Zur Durchführung des Beschlossenen wurde nun zunächst einKriegsheer gebildet. Fürst Christian von Anhalt wurde zum Feld=Oberstenernannt. Unter den übrigen Kriegsleuten, welche mit Bestallungen be-traut wurden, finden wir die Obersten Kettler, Zalmeister, JohannPhilipp Fuchs, Streiff, die Grafen zu Solms, Sedlnitzki, BurggrafAbraham zu Dohna als General=Quartier=Meister, Wilhelm Sylviusals Auditeur, Johann von Doert als General=Commissarius derArtillerie, u. m. A. deren Namen wir in den späteren Kriegszügen nochoft begegnen werden. Michael d'Estam, Bürger von Dortmund, warIngenieur. Der Edle Herr Wedigo Gans zu Puttlitz hatte aus Berlin200,000 Thlr. mitgebracht, aus welchen die ersten Ausgaben bestrittenwerden sollten 21). Wenn wir nun in der Verrechnung der Ausgabendie Summe von 4362 Thlr. angesetzt sehen „an Capitain Lohausenauf 4 Monate Sold für seine Compagnie“, so müssen wir doch be-zweifeln, daß dies unser Kriegsmann gewesen ist, da hier ausdrücklichvon einem Capitain gesprochen wird, Wilhelm von Lohausen aberim December 1610 sich noch als Lieutenant unterschreibt. Wahrschein-lich wird der hier genannte Capitain der ältere Bruder Ludolf gewesensein, welcher Bergischer Landrittmeister war, und den wir schon 1609in der Grafschaft Ravensberg thätig sahen.Außer diesen eigenen Rüstungen wurde unter dem 11. Februar1610 noch ein Bündniß mit Heinrich IV. abgeschlossen, worin diesersich nicht nur zu materieller Unterstützung durch Truppen und Geldverpflichtete, sondern es auch übernahm, bei dem Kaiser zu intervenirenwegen Zurücknahme des ausgesprochenen Sequesters und die General-Staaten in das Bündniß hineinzuziehen. Diese giengen um so bereit-
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