22rung seiner Erbrechte die für die damalige Zeit bedeutende Summevon 250,000 Gulden bewilligt 12), welche zu den Werbungen verwendetwurden. Der Oberst Hildebrand von Kracht, ein versuchter Kriegs-mann, der schon 1592, 1595 und 1596 in Ungarn, dann in den Nieder-landen und von 1601 bis 1607 abermals in Ungarn gegen die Türkengekämpft hatte 13), so wie mehrere andere bewährte Offiziere, erhieltenPatente zur Aufstellung von Regimentern und Compagnieen, und inkurzer Frist waren 4—5000 Mann zusammengebracht, welche in dieverschiedenen Orte vertheilt wurden. Auch erließen die Fürsten unterdem 6./16. August 1609 ein Ausschreiben an die Ritterschaft der Län-der, „sich mit guten wehrhaften Dienern und Pferden alsbald gefaßtzu machen, damit sie bei erster Aufforderung zur Musterung erscheinenkönnten“. Es wurde jedoch dieser Aufforderung nur wenig genügt, danamentlich die Jülichschen und auch mehrere von den Andern sich ent-schuldigten, sie könnten wegen der angedrohten Kaiserlichen Acht sichdarauf nicht einlassenErzherzog Leopold war unterdessen in Jülich auch nicht müßiggewesen, die Festung zu sichern und seine Schaaren zu verstärken. VonKöln aus ließ er viele Karren mit Kriegsbedarf nach Jülich führen,bot in den benachbarten Dörfern die Bauern auf, um bei der Ver-stärkung der Festungswerke durch Aufwerfen neuer Schanzen zu arbeiten,und zog namentlich durch Hilfe des Erzherzogs Albert in Brüssel eineMenge Spanischer Söldner heran, welche dort durch den mit den Niederlanden geschlossenen zwölfjährigen Waffenstillstand überzählig gewordenwaren. Edikte ergingen an die Landstände, Kriegsleute, Vögte, dieSchaffner, Rentmeister u. s. w., daß ohne sein Vorwissen den Fürstenkeine Gefälle und Einkünfte abgeliefert werden sollten. Der Herr vonAltheim und viele andere, größtentheils frühere Spanische Offiziere,traten in den Dienst des Erzherzogs, und auf allen Straßen bewegtensich einzelne Trupps „gardender Knechte“, welche gen Jülich zogen, umdort sich unter die Erzherzoglichen Fahnen zu reihen. Auf dem festenSchlosse Bredenbend bei Linnich, einem Herrn von Palant gehörend,ließ der Erzherzog, nach Vertreibung der wenigen dort befindlichen,den Fürsten ergebenen Fußknechte, die Fürstlichen Wappen abnehmenund die Kaiserlichen dafür anschlagen, zum Beweis, daß er für denKaiser Besitz ergreife. Dann wurde Bredenbend stark befestigt undeine zuverlässige Besatzung hineingelegt, welche den Zugang zur FestungJülich im Thale der Roer sichern sollte.Trotz dieser gegenseitigen Vorbereitungen gingen die Unterhand-lungen immer noch fort. Am 31. Juli 1609 fragte der Erzherzog
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten