46 1
rührenden Druckes ftrömt das Waffer mit grofser Gewalt aus der Spitze beinahelothrecht in den Wafferfpiegel und reifst durch die Kraft des Strahles eine grofse MengeLuft bis tief in den Thierbehälter hinein, welche als kleine Bläschen wieder auf-zeigen und fo dem Waffer den nöthigen Sauerftoft zuführen, eine kräftige Durch-lüftung und Bewegung erzielend.
In neuerer Zeit hat man auch verfucht, in kleineren Thierbehältern das Waffernicht fortwährend zu erneuern, fondern frifche Luft mittels Injectoren am Bodenmittels einer Glasröhre einftrömen zu lallen, welche fich in zahlreichen Perlen imWaffer vertheilt (Frankfurt a. M.).
Die Befchaffung des Seewaffers ift mit gröfseren Schwierigkeiten verknüpft.In Städten, die unmittelbar am Meere liegen, wie Brighton, Neapel etc., wird dasWaffer auch unmittelbar durch Pumpen aus dem Meere entnommen, während beieinigen Aquarien das Seewaffer einige Meilen weit vom Ufer aus dem offenen Meereentnommen, in befonderen Gefäfsen befördert wird und zur zeitweifen Erneuerungdes Waffers in den Thierbehältern dient.
Immerhin hat es fich gezeigt, dafs diefe Verfahren nur für Seeftädte zu em-pfehlen find, da bei weiterer Beförderung, die überdies fehr koftfpielig ift, das See-waffer leicht verdirbt und nach gewiffer Zeit in den Aquarien trübe wird. Daherwar man beftrebt, künftliches Seewaffer herzuftellen, und es ift nach mannigfachenVerfuchen von ffermes 504 ) gelungen, ein künftliches Seewaffer herzuftellen, welchesvollftändig allen Anforderungen an Reinheit entfpricht und fich fehr lange erhält.Unter anderen find das Berliner und Frankfurter Aquarium mit künftlichem Seewaffer
gefüllt.
Die Hauptbeftandtheile des künftlichen Waffers, deffen Herftellung noch Ge-heimnifs von Hermes ift, find Chlornatrium, Chlorkalium, Chlormagnefium, Brom-natrium, fchwefelfaures Magnefmm, fchwefelfaures Calcium und kohlenfaures Calcium.Ehe das Seewaffer in die Tief-, Hoch- und Thierbehälter eingefüllt wird, find die-felben etwa 3 bis 4 Monate mit öfter erneutem Süfswaffer auszulaugen, um etwafchädliche Salze und Ausfchwitzungen des Cementes zu entfernen. Gleichzeitigwerden die Behälter hierdurch auf ihre Dichtigkeit geprüft. Nach Einfüllen desSeewaffers in den Tiefbehälter A (Fig. 550 505 ) treibt eine kleine Rotationspumpe B %an welcher alle Theile, welche mit Seewaffer in Berührung kommen, zum Schutzegegen Zerftörung von Hartgummi hergeftellt fein muffen und welche durch irgendeinen kleinen Motor C (Gaskraft- oder Dampfmafchine) Tag und Nacht in Ganggefetzt wird, das Waffer aus dem Tiefbehälter A nach dem kleinen Hochbehälter r>0G ).Letzterer kann aus Cementmauerwerk beftehen oder durch weite und hohe Bottichevon glafirtem Steingut gebildet werden, wie folche in chemifchen Fabriken benutztwerden; man (teilt diefen Behälter etwa 2,5 bis 3,o m über dem Waffcrfpiegel derThierbehälter auf. Diefer Hochbehälter hat an beiden Seiten unter dem oberenRand Stutzen, an welche fich glafirte, 10 cm weite Steingutrohre anfchliefsen, welchedas Seewaffer nach den einzelnen Thierbehältern leiten. Die Führung nach denletzteren läfft fich leicht herftellen, indem etwa l,s bis 2,o m über dem Wafferfpiegelein Balken angebracht ift, auf welchem das Steingutrohr, deffen Muffen mit Cementgedichtet find, ruht.
™*) Dem Director des Berliner Aquariums.• r '°5) Nach: Gaz. des arch. 1877, S. 250.
506) Bei der durch Fig. 550 dargeflellten Anlage fehlt der Hochbehälter; das Waffer tritt aus dem Druckrohr E un-mittelbar in die Thierbehälter D.