Druckschrift 
Gebäude für Sammlungen und Ausstellungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

C. Sonftige Gebäude für Sammlungen und Ausftellungen.

9. Kapitel.Pflanzenhäufe r.

Von f Adalbert Kerler und Dr. Eduard Schmitt.

Pflanzenhäufer, auch Gewächshäufer genannt, haben die Bcftimmung, Gewächfe ," 6 -warmer Zonen in rauheren Klimaten zu fchützen und das Wachsthum einheimifcher undauch in der kalten Jahreszeit zu ermöglichen. Sie find als die Nothdecke für einen Eintheill ">g-Garten anzufehen in Ermangelung eines milderen, bezw. gleichmäfsigeren Klimas.

Je nachdem Pflanzenhäufer mehr dem zuletzt oder dem zuerft gedachten Zweckedienen, unterfcheidet man hauptfächlich zwei Arten derfelben:

1) Die kleineren Cul turhäufer , in denen Zier- und Gebrauchspflanzen rafchgezeitigt oder vermehrt werden follen (Treibhäufer, Anzuchthäufer, Vermehrungs-häufer, Handelsgärtnereien u, f. w.); diefelben dienen auch für botanifch-wiffenfchaft-liche Verfuche.

2) Die gröfseren Confervationshäufer, in denen Sammlungen lebenderPflanzen, vorwiegend zu wiffenfchaftlichen Zwecken, erhalten werden (Pflanzenhäuferin botanifchen Gärten von Univerfitäten, von Städten und von Hofhaltungen).

Dielen beiden Arten von Pflanzenhäufern find noch als dritte Gattung an-zufügen :

3) Die Schmuck- und Prunkhäufer, auch die fog. Wintergärten, entwederals Beftandtheile von Villen und Schlöffern oder in mehr felbftändiger Anlage, alsöffentliche Zufammenkunftsorte in Verbindung mit Vergnügungsräumen. Diefe Prunk-häufer, in denen weder eine fchnelle Entwickelung von Pflanzen, noch ein ftrengesConferviren zu wiffenfchaftlichen Zwecken beabfichtigt wird, werden je nach derbefonderen Beftimmung in verfchiedenartigfter und freier Weife angelegt, im Zufammenhange mit umgebenden Räumen und Gebäuden oder getrennt in abgefchlof-fener Architektur und in malerifcher Anordnung. Bald follen fie dem Auge derBewohner eine Erholung im Pflanzengrün gewähren; bald befleht die Abficht, eineReihe von herrfchaftlichen Wohn- und Prunkgemächern wechfelvoll durch einenWintergarten zu unterbrechen: in wieder anderen Fällen hat man ein fog. Palmen-haus, zum Geniefsen des Anblickes grofser, fchön entwickelter Tropenpflanzen undPalmen zu fchaffen; oder man hat Blumenhallen zur Ergötzung erholungsbedürftigerStadtbewohner auszuführen. Auch die Orangerien als Zubehör von fürftlichenHofhaltungen find zu diefer Gattung von Pflanzenhäufern zu zählen.

Die Sage erzählt uns, Albertus Magnus habe in feinem Klofter zu Cöln, inmitten winterlichen 337.

Schnees und Eifes, einen Wundergarten mit grünenden Straucheln und blühenden Blumen gezeigt. Sollte Ge lchichtliches.nicht diefer viel gereiste, gelehrte Mönch, der, ob feines reichen Wiffens und Könnens in mechanifchen,phyfikalifchen und naturgefchichtlichen Dingen, feinen Zeitgenoffen ein Zauberer zu fein fchien, das etilePflarizenhaus gefchaffen und damit das unheimliche Staunen der Mitlebenden erregt haben? Dies i(l indefsnur eine Vermuthung dafür, dafs fchon das Mittelalter ein Glashaus gefehen habe. Erft nach einer umfaffenden Entwickelung der Glaserzeugung war es möglich, eine gröfsere lichtdurchlaffende Schulzwand