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2. Kapitel.Bibliotheken.
Von Albert Kortüm und Dr. Eduard Schmitt.
a) Allgemeines und Gefchichtliches.Durch die Buchdruckerkunft find Herftellung und Verbrauch der Bücher in 34-
r i • x^ i • 1 Zweck
einem, wie es icheint, unberechenbaren Grade gewachfen. Seitdem die Bücher nicht und
mehr einzeln abgefchrieben zu werden brauchen, ift das Anfertigen von taufendenVerfchiedenheit.
fo leicht möglich, wie vordem die Herftellung eines einzigen Buches. Andererfeits
ift die Menge der wirklich zu einer und derfelben Zeit entftandenen Bücher wiederum
in fo fern befchränkt, als durch den Gebrauch und das Wandern von Hand zu
Hand unter Millionen von Perfonen die Bücher verhältnifsmäfsig fchnell abgenutzt,
bezvv. verbraucht werden.
Es ift eine ausgemachte Erfahrung, dafs jedes Buch, welches etwa ioo Jahrealt ift, durch diefes Alter fchon feiten geworden ift, und dafs deffen Seltenheit ge-wöhnlich in gleichem Verhältnifs mit feinem Alter fteigt.
Wenn auch in unferer Zeit Privatbibliotheken, fo wie das leicht möglicheAnfchaffen von Büchern das Studium begünftigen und fördern, fo ift es dochzweifellos, dafs in Folge der zunehmenden Cultur und der Specialifirung jedes einzelnenZweiges der Wiffenfchaft, der Kunft und des Gewerbes die Notwendigkeit des Be-ftehens grofser und öffentlicher Bücherfammlungen oder Büchereien, diewir Bibliotheken nennen, als feft flehend und unentbehrlich angefehen werden mufs.
Unter einer Bibliothek wird hiernach (mit Grä/el' 61 ) eine zum Zwecke privateroder öffentlicher Benutzung aufgeftellte Sammlung von Büchern zu verftehen fein.
Dafs eine Bibliothek aufgeftellt fein mufs, um den Namen einer folchen überhaupt zu verdienen,betont fchon Molbech zv ), wenn er fagt: »Das blofse Vorhandenfein einer Menge an einem Orte befind-licher, in Karlen eingepackter, wie Brennholz aufgeftapelter oder auf eine andere Weife wie Güter undHandelswaaren aufgehäufter Bücher macht noch keine Bibliothek aus. Dies wird fie erft, wenn eine be-deutende Bücherfammlung zweckmäfsig in einem oder mehreren Bücherfälen aufgeftellt wird.«
Mit dem Worte »Bibliothek« (ßtßXioibpu], d. i. Bücherbehälter) bezeichnet maneben fo das Gebäude, worin die Bücher aufbewahrt werden, wie auch die Bücher-fammlung felbft.
Im Vorliegenden werden in erfter Reihe die grofsen öffentlichen (Staats- oderLandes-) Bibliotheken zu behandeln fein; doch werden auch die Univerfitäts-Biblio-theken, die kleineren Bibliotheken der technifchen Hochfchulen, Akademien undanderer Lehranftalten, die mit Mufeen und fonftigen wiffenfchaftlichen, bezw. Kunft-inftituten verbundenen Bibliotheken mit berückfichtigt werden; eben fo werden dieStadt- und die Volksbibliotheken von der Betrachtung nicht ausge fehl offen fein.
Die Gefchichte hat uns Erinnerungen von den berühmten Bibliotheken in 35-
Alexandrien und Pergamon aufbewahrt; ferner von den Zeiten, wo für reiche und Gefchichtlicheä -vornehme Römer es ein Luxusgegenftand war, eine Bibliothek zu befitzen. AusCitaten alter Schriftfteller können wir Schlüffe auf die Reichhaltigkeit der Privat-fammlungen, die ihnen zu Gebote geftanden haben, ziehen.
3') Grundzüge der Bibliothekenlehre etc. Leipzig 1890. S. 6.38 ) In: lieber Bibliothekswiffenfchaft etc. Leipzig 1833. S. 19.