Druckschrift 
Gebäude für Sammlungen und Ausstellungen
Entstehung
Seite
212
Einzelbild herunterladen
 

212

Langfeite aber nach Norden, fo würde der Treppenbau dafelbft nicht allein den Raummehrerer werthvoller Nordlicht-Cabinete wegnehmen, fondern auch, wenn er ftarkvorfpringt, auf die neben liegenden Cabinete mifsftändige Reflexe werfen, überdiesnoch den Zufammenhang diefer Cabinete unterbrechen 227 ). In einem folchen Falle iftes beffer, die Treppe im Inneren an Stelle eines Deckenlichtfaales der Mittelreihe,etwa wie im Mufeum zu Weimar (nach Fig. 274 u. 275) und in jenem zu Leipzig (nachFig. 276 u. 277), einzurichten oder aber fie aufsen, am Eingang der Südfront, fei es eben-mäfsig zu beiden Seiten (Fig. 278), fei es unebenmäfsig zu einer Seite der Hauptaxe desGebäudes anzureihen. Eine bemerkenswerthe Treppenanlage verwandter Art, jedochmit Eingang von beiden Langfronten, findet fich im Dresdener Mufeum (Fig270u. 271).Soll dagegen der Eingang in die Sammlungen etwa an das Ende der Haupt-und Langfeite des Bauwerkes verlegt werden, wie in Braunfchweig (fiehe Art. 189),oder in der Mitte der Schmalfeite erfolgen, wie in den beiden Münchener Pinakotheken(fiehe Fig. 264 u. 265), in der Caffeler Gemälde-Galerie (fiehe Art. 190), der Düffel-dorfer Kunfthalle (fiehe Art. 191) u. a. m., fo wird die Treppe meift an die Ge-bäude-Schmal feite , entweder mit Wiederkehr in die Längsaxe (Fig. 266) oderebenmäfsig zu beiden Seiten derfelben nach Fig. 265, bezw. unebenmäfsig einfeitignach Fig. 264, angeordnet, manchmal jedoch in das Innere des Haufes in derRichtung von deffen Längsaxe gelegt und mit Deckenlicht erhellt (Fig. 268 u. 269).Die im letzteren Falle um die Treppe gelegten Umgangshallen ermöglichen beifolchen kleineren Anlagen den unmittelbaren Zutritt zu jedem der umgebenden Säle,ohne den ununterbrochenen Rundgang durch diefelben zu behindern (fiehe Art. 148,S. 193). Die Deckenlichtfäle liegen hierbei an den Aufsenfeiten des Gebäudes. Diein Fig. 264 getroffene Anordnung der Treppe in einem Seitenflügel, deffen Fenfter,beiläufig gefagt, von den Treppenläufen durchfchnitten werden, bedingte die I-förmigeGrundrifsgeftalt und die Anlage von vier gleichen, weit vorfpringenden Seitenflügeln.Die durch fie bewirkten Reflexe beeinträchtigen die Erhellung der Seitenlichträumeder Rücklagen, was namentlich für die Gemälde-Cabinete nachtheilig ift.

Sämmtliche nach folchen Grundrifsbildungen, wie Fig. 264 bis 269 ausgeführteGalerie-Gebäude entbehren naturgemäfs eines mittleren Hauptraumes der Langfeiten,der im Aeufseren auszuprägen und künftlerifch auszuzeichnen wäre. Darüber täufchtauch die mehrfach getroffene Anordnung eines zweiten, in der Mitte der Langfeitefich öffnenden Portals nicht hinweg., l8? - Das erfte Vorbild eines Galerie-Gebäudes von diefem Typus hat v. Klenze durch

Beifpiel . J L

xi. die 182633 erbaute Alte Pinakothek zu München gefchaffen (Fig. 264 228 ).

Die Lage des Einganges an der öftlichen Schmalfeite des Bauwerkes 229 ) war durch die Richtungder Hauptzugangsftrafsen, die damals aus dem alten Theile Münchens dahin führten, bedingt. Die reicheren,fäulengefchmückten Thore der füdlichen Langfeite find denn auch nur des Scheines wegen da; denn vonhier aus ift kein Zugang zu den Galerieräumen des im Grundrifs dargeftellten Hauptgefchoffes. Den Ge-mälde-Cabineten der Nordfeite entfprechend, nimmt eine in grofsen Bogenfenftern fich öffnende, reich be-malte Loggia die Länge der Südfeite zwifchen den Seitenflügeln ein. Sie follte nach der Abficht Klenze 1 *hauptfächlich dem Zwecke dienen , von ihr aus unmittelbar zu jeder einzelnen Abtheilung der Gemälde-Galerie kommen zu können, ohne vorher durch den Anblick anderer Bilder, deren Räume fonft zu durch-

7 ) Beide Mifsftände wären allenfalls zu vermeiden, wenn man nach Magnus (fiehe: Zeitfchr. f. Bauw. 1864, S. 217u. 1. H, i, Fig. X u. XI) eine mit Deckenlicht erhellte Wendeltreppe, umgeben von facherartig geordneten Cabineten, in einemhalbkreisförmigen Vorbau herftellen würde.

) Nach: Klenze, L. v. Sammlung architektonifcher Entwürfe etc. Tab. II und: Bautechnifcher Führer durchMünchen. München 1876. S. 66 u. 151.

w ) DaiTelbe hat die gleiche Himmelsrichtung, wie die Neue Pinakothek (fiehe Fig. 265).