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99.
Sicherunggegen Feuer
100.Feuchtigkeitund Staub.
roi.Fufsböden.
d) Befonderheiten der Conftruction und Ausftattung.
Auch bezüglich der in einem Bibliothekgebäude zu wählenden Conftructionendes inneren Ausbaues und der den Räumen zu gebenden Ausftattung ift, wie beider Gefammtanlage, als Hauptgefichtspunkt feil zu halten, dafs die Bücherfammlungvor Feuersgefahr 134 ), vor Feuchtigkeit und vor allen anderen fchädlichen Einflüffenmöglichft vollkommen gefchützt fein muffe.
Damit Feuersgefahr thunlichft ausgefchloffen fei, ift die weit gehendfte Be-nutzung von Eifen zu Stützen, Decken und Dächern zu empfehlen, im UebrigenHolz möglichft zu vermeiden und fonft nur Stein-Conftruction in Anwendung zubringen.
In der Univerfitäts-Bibliothek zu Roftock ift das Gewölbe des oberften Gefchoffes, obwohl fich eineiferner Dachftuhl darüber befindet, gegen WafferiibcrfliUhung bei einem etwaigen Brande durch eineLehmeftrichdecke und eine darüber gelegte, nach aufsen abzuwäffernde Holzcement-Abdeckung gefchützt —eine Vorfichtsmafsregel, deren Nachahmung empfehlenswerth ift.
Um Feuchtigkeit von der Bücherfammlung fern zu halten, find vor Allem dieüblichen Vorkehrungen gegen auffteigende Bodenfeuchtigkeit zu treffen; die weiterenHauptmittel find Anlagen für ausgiebige Lufterneuerung und die Heizung fämmt-licher Bibliothekräume.
Schon in Vitruv's Anweifungen über die Anlage von Bibliotheken (Lib. 6, Cap. IV) wird dieSicherung gegen Feuchtigkeit berücksichtigt: *Cubicu/a et bibliothecae ad orientem j'pectare debent, u/iisciüm matutinum pojlulat lumen item in bibliothecis libri non putrescent , natu quaecumque ad meridiem etoeeidentem fpeetant, a tincis et humore vitiantur, quod venti hitmidi advenietites proereant eas et alunt in-futidentesque humidos fpiritus patore Volumina corrumpunt.*
Abgefehen von den vorerwähnten Mitteln gegen das Auffteigen der Boden-feuchtigkeit ift auch die Unterkellerung des Gebäudes wohl geeignet, dem fchlimmftenFeind der Bücher entgegenzuwirken. Wo eine folche Unterkellerung nicht möglichoder aus fonftigen Gründen nicht erwünfeht ift, fehe man unter dem Erdgefchofsmindeftens einen durchgehenden Hohlraum vor, für deffen kräftige Lüftung geforgtwerden mufs.
Das Gebäude der Univerfitäts-Bibliothek zu Halle ift nur zu einem kleinen Theile unterkellert.Unter dem nicht unterkellerten Gebäudetheil wurde ein Hohlraum von 80 cm Höhe angeordnet, deffen aus-giebige Lüftung mit Hilfe der Sammelheizanlage bewirkt wird.
Das Büchermagazin im Neubau der Technifchen Hochfchule zu Darmfladt ift zum Theile im Sockel-gefchofs gelegen. Zum Zweck der Ifolirung von der Bodenfeuchtigkeit wurde unter demfelben ein Hohl-raum von 90 cm lichter Höhe vorgefehen.
Im Intereffe der Feuerficherhcit follten hölzerne Fufsböden thunlichft vermiedenwerden; wo folche nicht zu umgehen find, verlege man fie in Afphalt. Sonft ver-wende man Afphalt-, Gyps- oder Cementeftriche, unter Umftändcn auch Beläge mitMettlacher Platten oder Terrazzoböden; wo der Zweck des Raumes es erfordert, iftalsdann ein Belag mit Linoleum oder Kamptulikon aufzubringen.
In der neuen Univerfitäts-Bibliothek zu Leipzig find fämmtliche Fufsböden aus Cement hergeftellt;im Lefefaal und in den Verwaltungsräumen ift der Cementeftrich mit Linoleum belegt. Das 1890 neuerbaute Büchermagazin der Univerfitäts-Bibliothek zu Bonn hat Terrazzo-Fufsboden erhalten.
Mi) \vi e wenig in früherer Zeit diefe heinalie felbftverilandliche Bedingung Berücksichtigung fand, dafür gieht die alteHerzogl. Bihliothek zu Wolfenbüttel, von der in Art. 42 (S. 51) bereits die Rede war, einen augenfälligen Beweis- Nur dasF-rdgefchofs war maffiv in Bruchftein ausgeführt; die beiden ObergefchofTe hingegen, der Dachfluhl und die von einem Globusgekrönte Kuppel beitanden aus Holz-Fachwerk, waren im Inneren fogar theilweife nur aus Brettern hergeflcllt, mit hölzernenGelimfen und Pilafterftellungen verfehen und geputzt, bezw. mit Stuck bekleidet. Das Gebäude enthielt überhaupt mehr als18001'" trockene Bretterichalung.