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mitteleuropäifchen Staaten keine Bibliothek mit iooooo Bänden; nur die Hofbibliothekzu Wien und die Bibliotheque Mazarin zu Paris zählten (um das Jahr 1660) bezw.80000 und 40000 Bände.
Das XIX. Jahrhundert hat auch auf diefem Gebiete einen ungeahnten Auf-Schwung gebracht, und es ift auffallend, dafs der Schwerpunkt der einfchlägigenLeiftungen immer weiter gegen Weften vorrückt.
Um die Mitte der dreifsiger Jahre hatten die zwei gröfsten Bibliotheken jener Zeit (Paris undMünchen) je 1 /2 Mill. Bände; die Bibliotheken von Wien, Berlin und Göttingen zählten je 1 Ja Mill. unddie Bibliothek des Britifh Mufeum zu London l /s Million Bände. Die bedeutendfte Bücherei Amerikas(Cambridge) befafs damals erft 70000 Bände.
Gegenwärtig (1891) hat die Bibliotheque ?iationale zu Paris etwa 2 Mill., die Bibliothek des BritifhMufeum zu London 1,7 Mill. Bände, und die amerikanifchen Bibliotheken kommen mit Riefenfchrittenunferen erften europäifchen Bücherfammlungen nach. Die Bibliothek von Wafhington zählt bereits 1 Mill.Bände; es reihen fich dem Range nach die Hof- und Staatsbibliothek zu München mit 0,9 Mill. und dieKönigliche Bibliothek zu Berlin mit 800000 Bänden an; es folgen dann die Volksbibliothek zu Boflonmit 600000, die Hofbibliothek zu Wien mit 500000 und die Univerfitäts-Bibliothek zu Göttingen mit440 000 Bänden.
Ein riefiges Anwachfen zeigen die amerikanifchen Volksbibliotheken. Der Umfang der BoftonerBücherei wurde bereits angegeben. Die vier New-Yorker Bibliotheken zählen 1 /2 Mill. Bände und diedrei Baltimorer 240000 Bände; in Chicago beginnt eben Poole's Bibliothek einen Neubau, welcher fürI Mill. Bände Raum darbietet 44 ).
b) Erfordernifle und Gefammtanlage.
Im XVIII. Jahrhundert fing man an, fich in der Verwaltung der grö SserenBibliotheken von einer durch Vorurtheil, Vorliebe für gewiffe Flacher oder einer durchSammlung, einSeitige Gelehrsamkeit bedingten, planlofen Willkür und vom pedantischem Egois-mus los zu machen. Man erkannte, dafs gegenüber der auf gelehrten Schulen,Univerfitäten, Akademien etc. gepflegten lebendigen Wiffenfchaft die Bibliothekenals öffentliche Bildungsanftalten ihren Werth und ihre Bedeutung darin haben muffen,dafs fie in univerfeller Weife zur Aufbewahrung des gefchichtlichen Theiles der Fort-fchritte des menfchlichen Geiftes in Bezug auf Wiffenfchaft und Kunft dienen. DieSammlungen, welche die gröfstmögliche Reichhaltigkeit und Vollständigkeit, vereintmit dem gröSsten reellen Werth, befitzen follen, muffen fowohl für die Gegenwartdie gröfstmögliche Benutzbarkeit gewähren, als auch künftigen Gefchlechtern auSdas SorgSältigSte aufbewahrt werden.
Diefen Gefichtspunkten entfprechend umfaffen gegenwärtig die Sammlungeneiner gröSseren öffentlichen Bibliothek (Staats- oder Landesbibliothek):
1) Bücher,
2) Zeitungen und Zeitschriften, Flugblätter und Brofchüren,
3) HandSchriSten,
4) Mufikalien und Kartenwerke,
5) KupSerwerke und Photographien,
6) handschriftliche, feltene oder künftlerifch hervorragend ausgestattete Drucke,fog. Kleinodien, und
7) Drucke aus der erSten Zeit nach der Erfindung der Buchdruckerkunft oderfog. Incunabeln.
Dazu kommen meistens noch
8) die Doubletten, welche in der Regel zum Ausleihen beStimmt werden.
Gegenftändeder
4*) Nach: Reykr, a. a. O.