— 472 —
kungsvoll behandelt, und als wolle der bewährte Meisterseine Vielseitigkeit zeigen, hat er zugleich ein kleines Bild-chen „ein Sommertag" gemalt, welches das Unschein-barste, einen schlichten Sandweg im Sonnenscheine, belebtdurch ein Figürchen, darstellt. H. Heinlein bleibt in ver-schiedenen Gebirgs-Landschaften seiner altbewährten Weisegetreu, welche wirkungsvoll, aber nicht ohne eine gewisseManier ist.
P. Schleich zeigt schöne Landschaften mit Vieh in derbreiten und decorativen Behandlungsweise dieses Meistersund gut von Farbe. Lobenswerth sind auch fast immerdie Landschaften mit Staffage von C. Mali.
Die Dresdener Schule scheint im Fache der Land-schaft eine höhere Stufe erreicht zu haben, wie in denanderen Fächern der Malerei, in welchen sie unverkenn-bar gegen die übrigen deutschen Schulen zurücksteht.Einige schöne Landschaften von Dresdener Künstlern sindWerke von einer ernsten künstlerischen Richtung undvon einem sehr gründlichen Studium. A. E. Leonhardi inDresden zeigt in zwei grossen Bildern, dass er die Poesiedes Waldes versteht und Bäume malen kann. Der Waldund der Baum, vielleicht der schönste Gegenstand desLandschaftsmalers, aber auch der schwierigste, wird neuer-dings von der malenden Kunst sehr vernachlässigt, jeneseingehende Studium, welches ihm Meister wie Schirmer,Lessing und ihre nächsten Schüler widmeten, vernachlässi-gen unsere Jüngern, mehr auf die Farbe als auf die Formbedachten Künstler mit wenigen Ausnahmen. In einemgrösseren Bilde von Leonhardi, „Waldeinsamkeit", liegt derganze Zauber, welchen eine solche auf das empfänglicheGemüth ausübt. Grosse Bäume, dichtes Gebüsch darunter,fast ein Dickicht, aus welchem ein kleines Bächlein zwischenFelsblöcken in eine lichtere Stelle hervorrauscht. Einestille grüne Wildniss, wo der Sonnenschein nur die Gipfelder Bäume trifft; alles Uebrige liegt in ruhigem Schatten.Alles sehr sorgfältig studirt, mit dem feinsten Sinne für die