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Siebentes Kapitel.
Die deutsche Genremalerei bis zum Jahre
1861.
Das Wesen der Genremalerei ist die Nachbildung desindividuell Natürlichen, und deshalb bedarf diese Kunst-richtung- einer höheren Ausbildung der künstlerischenTechnik; die Darstellungsmittel müssen allgemein geläufig,die Kunstfertigkeit muss in einem gewissen Maasse in all-gemeinem Besitz sein: so ist die Genremalerei, obgleichihre Werke neben denen der idealen Richtungen unbe-deutender erscheinen, dennoch das Product einer höherenKunststufe als jene.
In ihren ersten Anfängen und in ihrer vollendetenEntwicklung ist die Naturnachahmung das Ziel der Kunst,freilich in verschiedener Weise. Die Naturnachahmungeiner Kunst in der Kindheit ist naiv und beinahe unbe-wusst, die einer ausgebildeten Kunst ist absichtlich undbewusst. Die Beobachtung der natürlichen Erscheinungschärft sich mit den Fortschritten der technischen Fertig-keit in ihrer Nachbildung, und mit der vollkommenen Er-kenntniss steigern sich die Ansprüche an die Meisterschaftund diese selbst; Eines treibt das Andere, und je mehr dienatürliche Erscheinung erkannt wird, desto mehr gewinntsie an Bedeutung; die materielle Seite der künstlerischenDarstellung nimmt endlich den ersten Platz ein, was