Fünftes Kapitel.
Die Romantiker der Berliner, Düsseldorferund Dresdener Schule.
Es ist interessant zu beobachten, wie unsere neuerebildende Kunst mit unserer Poesie und Literatur beständigin naher Beziehung bleibt — eine geistige Verwandtschaftverbindet sie. Eine Parallele zwischen Beiden trifft fastimmer zu, nur dass die Umwandlungen der geistigen Ten-denzen sich in der Kunst des Wortes gewöhnlich früherzeigen, als in der Kunst der Formen und Farben.
Wie neben der romantischen Poesie der Tieck, Schlegel-Novalis eine romantische Malerei entsteht, welche freilichnur der Anfang war zu Grösserem und Besserem, so folgtden Dichtern der späteren Periode eine Reihe von Künst-lern, deren Kunst jener späteren Romantik vollkommenentspricht. Man hat diese vorzugsweise als romantischeSchule bezeichnet, indessen ist diese Bezeichnung nicht un-beschränkt und richtig.
Jene ursprüngliche romantische Richtung bei unserenDichtern und Schriftstellern dauerte im Allgemeinen nichtlange, sondern schlug bald fast in das Gegentheil um, derEnthusiasmus für mittelalterliche Deutschheit verschwandsehr bald; man wandte sich nach diesen kurzen Augen-blicken vaterländischer Begeisterung noch entschiedenerden Wälschen zu, von den Helden der Nibelungen undder Gudrun zu den Rittern des Ariost und des Tasso, und