- 321 -
auch in diesen, Auffassung und Behandlung von dem Ge-wohnten und Gewöhnlichen sehr weit ab.
Wenn aber auch die eigenthümliche Behandlung desStofflichen, welche bei ausserordentlicher Leichtigkeit undFreiheit doch auch etwas Kleinliches und Spielendes hat,manchem nicht gefallen mag, so zeigte er doch in einemweiblichen Bildniss, welches auf der zweiten allgemeinendeutschen Kunst-Ausstellung 1861 ausgestellt war, durchdie eigenthümlich ideale Erscheinung des Ganzen, besondersaber durch das über das ganze Werk ausgegossene Licht,ein sehr anziehendes Bild, welches gewiss zu den ausser-gewöhnlichen Kunstwerken auf diesem Gebiet gehört.
Portraits und Portraitstudien von Anselm Feuerbachaus der Zeit von vor 1860 zeigen ebenfalls eine vorherrschendeRichtung auf glänzendes Colorit und virtuose Behandlung,aber wiederum in anderer Weise, wie alle bisher genannten;es ist das Vorbild römischer Schule mit Anklängen anfranzösische Meister, welches sich darin kundgiebt. Einüberlebensgrosses Brustbild einer schönen Frau aus dieserZeit ist durch eine breite, bestimmte Behandlung und eineFarbe, welche an Fresco erinnert, besonders auffallend.
Einige Portraits von Franz Lenbach habe ich hier nochzu erwähnen, als vortrefflicher, ebenfalls mit bestimmtenAnklängen an ältere Meister gemalter Werke.
Der in Bezug auf virtuoseste Meisterschaft Alles über-treffenden Portraitbilder von Ludwig Knaus habe ich bereitsfrüher erwähnt, und so wende ich mich zu den neuerenMeistern und Werken dieses Faches, welche mehr wie diebisher angeführten, das Portrait um des Portraits willenmalen, und die Leute ihrer Zeit in der Kunstweise ihrerZeit, wie sie sich in den verschiedenen Schulen ausgebildetund vervollkommnet hat, darstellen.
Und wirklich nicht gering ist die Höhe dieser Kunst-fertigkeit und der Meisterschaft der Darstellung, welchesich in sehr vielen Bildnissen zeigt.
Zwei Meister der Düsseldorfer und Münchener Schule
21