Druckschrift 
Deutsche Maler : von Asmus Jakob Carstens an bis auf die neuere Zeit
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252

schichte ist mit der grössten Lebendigkeit und Anschau-lichkeit geschildert, eben so wie auch die Scene des anderenBildes, welches uns die Schüler desselben Meisters zeigt, dieallerlei Narrheiten treiben, worüber der Meister entrüstethereintritt.

Unter den älteren Wiener Genremalern ist hier PeterFendi anzuführen, welcher in seinen oft sehr geistreichgemachten Bildern gewisser Maassen in der Mitte zwischeneinfacher Schilderung und novellistisch erzählender Weisesteht.

Eine mit der Dannhauser's verwandte Art der Be-handlung, jedoch mehr unbefangene Naturnachahmung undweniger Absicht, durch die Handlung oder den Gegen-stand Interesse zu erregen, zeigen kleine Bilder von FranzEybl, welche ziemlich ohne Wahl die gemeine Natur nach-ahmen, aber mit einer sehr treuen Hingabe an die gegebeneErscheinung. Farbe und Haltung sind entschiedener undkräftiger, Zeichnung und Modellirung sehr strenge durch-geführt, doch erscheinen die Bilder ziemlich trocken, und esfehlt ihnen alle Anmuth und Schönheit. Das Dargestellteist ohne besonderen Reiz und erweckt wenig Theilnahme.

Der bedeutendste unter den älteren Wiener Genre-malern ist ohne Zweifel F. G. Waldmüller, ein Künstler,dessen Werke trotz einer gewissen Härte und Schärfe derBehandlung durch die feinste Naturbeobachtung, durch denlebendigsten Ausdruck, durch die unbefangenste Naivetätund durch die liebenswürdige Gemüthlichkeit der Gegen-stände und ihrer Auffassung immer höchst erfreulich bleibenund zu dem Besten zählen, was neuere-Genremalerei her-vorgebracht hat.

Besonders in der Darstellung der Kinder ist der Meisterunübertrefflich, die unbefangenste Aeusserung, jede Seelen-regung in Freude oder Betrübniss ist auf das anmuthigsteausgedrückt und ohne irgend eine Spur von idealistischerSteigerung; bei dem treuesten portraitartigsten Anschlussan die wirkliche individuelle Natur ist dennoch eine ge-