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Die weiten historischen Kunstforschungen verwirrendas Urtheil; die beste, festeste Ueberzeugung, noch so ein-dringlich vorgetragen, bleibt am Ende doch nur Partei-meinung, und der Künstler bleibt auf den zufälligen Mäcenangewiesen, ihm fehlt ein Volk, das ihn versteht und schätzt.
Künstler und Kunstfreunde beklagen diesen Zustand,und mögen Recht haben, aber Klagen ändern nicht. —Wir befinden uns um diese Zeit in einer werdenden neuenBildungsepoche, unsere Cultur strebt in die Breite undWeite; wie sie sich in materieller Weise mit Riesen-schritten über die Erde ausbreitet und alle herkömmlichenGränzen überschreitet, so auch in intellectueller Weise; esgiebt keine traditionellen Gränzen mehr für sie, wir forschen,suchen, finden, entdecken nach allen Richtungen, wir neh-men nichts mehr auf alt gewohnte Treue und Glauben an,die alten Traditionen sind hin und führen nur noch eineGespenster-Existenz. Ein solches Streben rings in die Weite,wie sollte es zugleich zu einem Gipfelpunkt, zu einer Con-centration führen können? Vielleicht ist es späteren Zeitenaufbewahrt, aus allen unseren einzelnen Erwerbungen einGesammtgut zu schaffen, uns ist es nicht möglich.
Ideale Kunst kann aber nur erblühen, aus einem ge-schlossenen, in sich gefassten und fertigen Ideenkreise; eineUeberzeugung, nennt sie Glauben oder Philosophie, es istganz gleichgültig welche, muss herrschen, damit aus ihrder Künstler schaffen und bilden könne.
Es fehlt unseren besten Künstlern wohl nicht an sol-cher Ueberzeugung, sie mag religiöser oder politischer Artoder lediglich die Ueberzeugung vom Schönen sein, siefehlt vielleicht auch vielen aus dem Publicum nicht, abersie fehlt dem Publicum; die Kunst aber und die Künstlerkönnen dem Strom der allgemeinen Geistesrichtung nichtwiderstehen.
Hier nun höre ich sogleich mir widersprechen: Nichtdem Publicum, sagt man, soll der Künstler folgen, nein, ersoll als Wissender, als Priester der Kunst den Laien bil-
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