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C. F. Lessing mit diesem strengen Naturalismus eine ebenso strenge und ernste historische Auffassung.
„Die Gefangennehmung des Papstes Paschalis durchKaiser Heinrich V." ist vielleicht das bedeutendste Werkdieses Meisters, wie es das grösste ist, und es ist schonsehr viel über dasselbe gesagt und gestritten worden, fürund wider. Wenn uns Deutschen gewisse Seiten der Ge-schichte zu Gesicht kommen, sei es gemalt oder geschrieben,so hebt sich gleich der alte ewige Hader, hie Weif, hieWaibeling, und so haben denn Lessing's Bilder aus derReformations-Geschichte zu den albernsten Tendenz-Kri-tiken Anlass gegeben, und ich glaube, wären die Kaisernicht lange todt, dieses Geschichtsbild des Meisters würdeeinen neuen Kampf der Guelfen und Ghibellinen ange-schürt haben.
Und doch sind Lessing's Bilder unschuldig daran; derKünstler wollte uns die Geschichte darstellen, wie er siegelesen hat, und er liest sie aufmerksam und erzählt sietreu nach, so treu sogar, dass in diesem Bilde des Streiteszwischen Papst und Kaiser beiden Parteien Recht ge-geben wird und der Beschauer unschlüssig davor steht;ja der Kaiser ist sogar etwas in Nachtheil gebracht durchden gar zu unparteiischen Künstler. Gegenüber demgeistig so bedeutenden Manne, wie Lessing den Papstdargestellt hat, erscheint der Kaiser fast unbedeutend undschwächlich heftig gegenüber der festen Ruhe des Gegners.
Schon früher hat der Meister denselben Gegenstandin einem kleineren Bilde dargestellt und beinahe in der-selben Weise. Das neuere, grosse Bild zeigt gegen jenesein genaueres Erforschen des Geschichtlichen, eine grössereMässigung der leidenschaftlichen Bewegung, ein tieferesStudium der Charaktere. In jenem war, wie in allenfrüheren Geschichtsbildern Lessing's, Manches im Costume-wesen mangelhaft, während in diesem alles, was zuräusseren Charakteristik des Costumes und der Sitte gehört,bis aufs Kleinste genau studirt und gertreu dargestellt ist.
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