Druckschrift 
Deutsche Maler : von Asmus Jakob Carstens an bis auf die neuere Zeit
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178

gewohnter Alltagssprache und auf gleichem Boden mit unszu verkehren.

Das ist die neueste Richtung (1861); sie findet vielenBeifall, weil sie leichter verständlich und zugänglicher ist,wie prosaische Erzählung sich leichter liest, als epischePoesie, und weil sie für die Form sich an die Nachahmungder individuellen Natur hält: nichts reizt und gefällt in derKunst dem Ungebildeten mehr, als eine täuschende Natur-nachahmung, er hält sie für das Schwierigste und deshalbHöchste, was die Kunst leisten kann.

Wenn die ältere idealistische Richtung oft Gefahr lief,sich bis zum Unverständlichen zu vergeistigen, so läuft dieneue realistische Richtung Gefahr, in die äusserste Platt-heit zu verfallen.

Zwischen diesen beiden entgegengesetzten Richtungenerscheint eine dritte, vermittelnde, auch der Zeit nach.Diese folgt dem Vorgange der Literatur; wie die novellisti-sche Poesie sich nach der Periode der Romantik histori-schen Stoffen zuwandte und die Geschichte zum Romanbenutzte, so auch die bildende Kunst; sie stellt geschicht-liche Personen und Momente in einer poetisch-novellisti-schen Auffassung- dar, den Inhalt der Darstellung mehroder minder poetisch steigernd, zusammenfassend und ab-schliessend, während die Darstellung im Einzelnen nachmöglichster Wahrscheinlichkeit strebt.

Wenn die Aufgaben verschieden sind, welche dieKünstler sich stellen, so verschieden sind auch die Lösungenderselben; bald sind es cyklische Darstellungen, welcheeine ganze Periode umfassen und diese in poetisch-idealeroder in symbolischer Form wiedergeben, bald sind esEinzelscenen, ja, Einzelfiguren; Weltgeschichte wird dar-gestellt und historische Anekdote, und wir befinden unsbald epischer Dichtung gegenüber und bald der Chronikund dem Memoire.

Unter den geschichtlichen Werken, welche grösseregeschichtliche Zeiträume cyklisch darstellen, möchte ich die