- 141 —
Ich weiss, dass vielen Leuten die Darstellung lächer-lich erscheint, dass manche Ironie, einen unfrommen Spottdarin erblicken, und es möchte auf den flüchtigen Blickhin so scheinen, obgleich es nicht so ist. Was diese Leute,welche wir im Bilde sehen, bewegt, ist hoher Ernst, welchersich in einigen der seltsam geformten Köpfe und Gestaltensogar grossartig äussert; einige der Lehrer staunen ob demScharfsinn und dem Wissen des Kindes, andere mehr pe-dantisch scheinen den Kopf zu schütteln zu dieser vor-lauten Frühreife. Einer streckt segnend die Hand aus überden Knaben: „dieser wird einst ein grosser Mann in Israelwerden!"; nur ein Einziger mit einem übertrieben markirtenProfil, ein Humorist in humoristischer Erscheinung lachtlaut auf, halb betroffen, halb ergötzt über die Niederlageseiner Genossen, vor diesem zweiten Daniel. Und derKnabe selbst; kann man etwas durchdringender Scharf-sinniges sehen, als dieses Gesichtchen? Ist es möglich dieErscheinung eines solchen frühreifen Wunderkindes be-stimmter und charakteristischer zu geben, als es in diesemdünnen, schmalen, zartgebauten, etwas kränklich aussehen-den Jungen gegeben ist?
Und die Freude aus dem Gesicht der herandringendenMaria, welcher der Joseph folgt und sie zurück zu haltenwünscht, ein bescheidener Mann, der sich nicht in die ge-lehrte Versammlung getraut.
Das alles ist Leben, volles ganzes Leben, aber freilichgemeine Wirklichkeit von heute, mit ihrer Fratzenhaftig-keit, mit ihrem Schmutz, mit ihrer trivialen Form und nurweil diese gemeine Wirklichkeit so durchaus in grellemContrast steht mit der Auffassung des darzustellenden Ge-genstandes, wie wir sie gewohnt sind und wie wir sie durchdie Tradition der Religion erhalten haben und bewahrenmüssen, nur deshalb wirkt das Bild humoristisch und regtunwiderstehlich zum Lachen an. Wie aber diese Composi-tion, lebensgross in Farben ausgeführt mit Begleitung vonreligiösen Chören des Domsängerchores in Berlin zur Weih-