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Ein recht warmes menschliches Gefühl spricht aus den„beiden Marien am Grabe Christi" von Anna Schleh inBerlin, und es hat dieses Bild auch grosse Vorzüge inBezug auf die Farbe und malerische Behandlung.
Wegen der schönen Farbe und breiten musterhaftenBehandlung ist hier auch noch „Maria von einem Engelbetrauert" von B. Plockhorst in Berlin zu erwähnen.
Karl Begas, der berühmte Portraitmaler, behandeltin seinem neueren Bilde „Der erste Todte" den biblischenGegenstand vom selbstständigen Standpunkt wie eine reinmenschliche Begebenheit und ist durchaus naturalistisch inder Darstellung. Adam und Eva finden den erschlagenenAbel und erschrecken und staunen vor der unbekanntenErscheinung. Dieses Erstaunen der Naturmenschen vor demNiegesehenen ist eigentlich der Gegenstand des Bildes undrecht gut ausgesprochen, wie denn das Bild vortrefflich ge-zeichnet und gemalt ist, aber durchaus des höheren Stylsermangelt.
Gustav Richter in Berlin zeigt sich in seinem vielbe-wunderten Bilde „Die Auferweckung der Tochter des Ja-irus" als ungewöhnlichen Meister des Colorits und fasstseinen Gegenstand von dieser Seite. Es ist über diesesBild zur Zeit viel gestritten, gesprochen und geschriebenworden, und dies beweist nur, dass es eine ungewöhnlicheErscheinung ist. Ich muss gestehen, dass die Auffassungallerdings genrehaft und novellenartig ist, und von christ-lich-religiöser Anschauung weit entfernt, indessen ist nichtzu läugnen, dass dieses Bild, die Auffassung zugegeben,seinen Gegenstand vollkommen erzählt und höchst lebendigerscheint. Christus erscheint freilich nicht wie ein Prophet,weniger noch wie der Gottmensch, er ist hier ein schönerjunger Mann, der, mit geheimnissvoller Kraft begabt, dieTodte wieder in's Leben ruft, es ist ein Wunder, was wirsehen, aber nicht im religiösen Sinne, sondern mehr imSinne magnetischer Zauberei. Wenn in solcher Weise dieChristus-Darstellung- nicht wohl befriedigen kann, so ist