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heit über irdische Gefühle, irdischem Schmerz oder irdischesGlück dar; überall herrscht eine tragische Erhabenheit. BeiOverbeck waltet der menschenliebende, vergebende Christus,der Gott der Gnade, der für die Menschheit und mit derMenschheit leidet, und das liebevolle Dulden hingebenderFrömmigkeit.
Die tiefinnigste Frömmigkeit des Künstlers athmet ausallen seinen Werken, und ich wusste kaum einen anderenKünstler unter den lebenden, welchem es so gelingt, das,was sein Herz bewegt, in seinen Bildern auszusprechen.
Wenn bei Cornelius das ganze Werk auf der geistigenErfassung und Durchdringung des Gegenstandes beruht, soberuht es bei Overbeck auf dem Gefühl, und man hatnicht ganz ohne Grund der ganz und gar männlichen Er-scheinung von Cornelius' Kunst gegenüber Overbeck'sKunst als eine mehr weibliche bezeichnet.
Die grösste Meisterschaft in der Zeichnung, einewunderbare Leichtigkeit in der Behandlung des Griffelsund der Kohle, trägt zu der vollkommenen Erscheinungdes Geistigen in Overbeck's Werken sehr viel bei; derKünstler ist durch sein Material, so weit er's gebraucht,niemals gehemmt; er gebraucht es indessen mit grosserMässigung, und niemals sieht man bei ihm, wie wohl beianderen Meistern, die Fertigkeit, die Virtuosität zur be-wussten Erscheinung gebracht, niemals sehen wir in seinenWerken die Kunst um der Kunst willen erscheinen, nie-mals das Coquettiren mit dem virtuosen Machwerk.
Die Schönheit in Overbeck's Figuren ist immer einehöchst keusche, ich wüsste sie nicht besser zu bezeichnen;obschon er die Menschen individueller auffasst und cha-rakterisirt, als Cornelius, so streift er doch alles ab, wasnicht streng nothwendig, was kleinlich und zufällig ist, undseine P'ormen erscheinen dadurch mitunter etwas dürftig;keineswegs aber finden wir bei ihm jene ascetische Dürre,worin manche andere streng christliche Künstler das Wesender Frömmigkeit suchen.