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keine Entblössung, seine Bilder zeigen, dass man allen An-forderungen der bildenden Kunst entsprechen kann, ohnenaturalistisch an der individuellen Erscheinung zu kleben,und widersprechen praktisch den Behauptungen mancherKritiker und Kunst - Reformatoren; sie entbehren freilichden Reiz individueller Charakteristik und das Pikante ge-treuer Natur-Nachahmung.
In Genelli's Werken ist es bei allem Reichthum despoetischen Gedankens doch vor allem die Schönheit derMenschengestalt, welche den Künstler zum Schaffen be-geistert, und deshalb ist die antike Mythe eigentlich derBoden, auf welchem seine besten Werke erwachsen sind.Er behandelt diese Mythen in eigenthümlichster Weise,häufig selbst hinzu dichtend und Verbindungen und Be-ziehungen schaffend, welche überraschend und neu er-scheinen. Sein vollkommenstes Werk dieser Art, nachmeiner Meinung, bleibt die Illustration zum Homer, welchewohl unter allen Darstellungen dieser oft dargestelltenGegenstände ihres Gleichen nicht hat. In diesen Blätternist die höchste Einfachheit und Klarheit der Composition,welche streng bei dem Gegenstande bleibt, mit der höchstenSchönheit der Gruppirung, der Linienführung und der Einzel-form verbunden, und selten treten uns die Absonderlich-keiten in den Formen, welche der Künstler manchmal liebt,entgegen.
Bei den zwei grossen Zeichnungen, dem „Raub derEuropa" und dem „Kampf des Bakchus mit dem KönigLykurgos" ist dies nicht so ganz der Fall.
In beiden Bildern schwelgt der Meister in der Dar-stellung des nackten Menschen, häuft Figuren auf Figuren,gefällt sich in den schwierigsten, oft seltsamsten Bewegungenund Stellungen, und schüttet die ganze Fülle seines Ta-lentes und seine ganze gewaltige Kunstkraft aus, ohne dassall dieser Aufwand die Darstellung des Gegenstandes ansich förderte.
In der „Europa" ist nicht nur der göttliche Stier, wel-