— 87 —
welcher die Charakteristik der Figuren häufig an Carricaturstreift und welche, wie im Gedanken, so auch in derZeichnung etwas oberflächlich und leer erscheint.
Ist die Kunst der bisher genannten Meister wesentlicheine dichtende, welche sich der sichtbaren Formen nur alsMittel bedient um Gedanken auszusprechen, so müsste ichhier noch einen grossen Künstler anreihen, zeigten nichtseine Werke neben der oben geschilderten noch eineandere, fast entgegengesetzte Richtung. Ich meine Bona-ventura Genelli.
Eine eigenthümliche Seite der cornelianischen Schulewar neben der dichtenden Kunst die gänzliche Verachtung-aller malerischen Technik, des Strebens nach natürlicherErscheinung des Werkes, sogar der Farbe und malerischenWirkung. Nur die Zeichnung wurde als das einfachste,ursprünglichste Mittel zum Ausdruck des Gedankens mitgrossem Eifer studirt und geübt.
Beide eben bezeichnete Eigentümlichkeiten zeigen imäussersten Maasse die Werke von Bonaventura Genelli,einem Künstler, welcher vielleicht einzig in seiner Art ist,eben so originell-schöpferisch im Gedanken, als originell inder Form seiner Darstellung, in Beidem immer zu be-wundern, aber nicht immer zu loben. Ich wüsste Genellinicht besser zu bezeichnen, als wenn ich ihn einen Rubensohne Palette nenne, was allerdings etwas paradox klingt,da Rubens' grösste Kraft sich gerade in der Farbengebungäussert. Indessen ist es so, Genelli schafft durchaus inRubens' Geiste, seine Zeichnungen könnten direct mit Ru-bens' Palette gemalt werden und sollten es eigentlich; aberder neue Künstler begnügte sich mit einem leichten Con-tour und kaum angedeutetem Schatten, höchstens giebt erseinen Bildern die Vollendung leichter Aquarellzeichnung.Allerdings hat er auch einige Oelgemälde geschaffen,darunter ein grösseres, „Der Raub der Europa", doch ist