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Als Carstens' Mutter noch lebte, unterstützte sie seinenWunsch, ein Maler zu werden, und die Weisen der Fa-milie wandten sich an den Maler Wilhelm Tischbein, umihren Jungen dort in die Lehre zu bringen.
Tischbein, ein berühmter Meister, Professor, Rath, amHofe des Herzogs von Braunschweig, Freund von Goetheund den grössten Männern seiner Zeit, wollte auch wohlden Jungen in die Lehre nehmen, sogar gratis, stellte aberdie Bedingung: der Lehrling sollte zugleich die Bedienten-rolle übernehmen und hinter der Kutsche stehen, wenn derHerr Rath zu Hofe führe. Das schien denn doch demguten Jungen zu stark, die Sache zerschlug sich, und esvergingen Jahre, bis er endlich dennoch zum Kunststudiumgelangte.
Carstens, und desshalb ist er der Vater und Begründeraller neuen deutschen Kunst geworden, begriff die Kunstanders, als die zeitgenössischen Künstler; die Form warihm nur Mittel, seine Gefühle und Gedanken zu äussern,bei jenen war die Form das Wesen, und Gefühl und Ge-danken nur da, um diese Form zu motiviren. Diese Ab-neigung gegen die bedeutungslose Form an sich ging beiCarstens so weit, dass er selbst Studien nach der Antikeund nach der Natur nur ungern und selten gezeichnet hat,copirt hat er niemals.
Er war ein Dichter, malerische Darstellung war seineSprache, nichts mehr.
Aber wie der Dichter sein Mittel, die Sprache, zurhöchsten Schönheit und Vollkommenheit zu steigern sucht,so suchte auch Carstens die malerische Form zur höchstenVollkommenheit zu steigern, zur Bedeutung, welche denGedanken und Gefühlen, die sie aussprechen sollte, ange-messen war. Wie in der Antike ihm die höchste Kunst-schönheit erschienen war, so erschien ihm in den Werkender alten Dichter und Philosophen die höchste Poesie.
Nicht aber wie bei seinen Vorgängern und Zeitgenossennur in Bezug auf nachzuahmendes Muster, als Canon und