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Carstens ist kein akademischer Künstler, er ist nichtnach den Regeln der Schule gebildet, hat nicht nach ihrenRegeln geschaffen, er hat sich von Anfang aus und durchseine ganze Laufbahn hin in beständiger Opposition gegendie Akademieen, ja, sogar gegen den grössten Theil derKünstler seiner Zeit befunden, und zwar mit Bewusstsein.
Carstens ist Autodidakt; was Anderer Lehre ihm ge-nützt hat, ist gar wenig, und seine Hauptlehrmeister, dieAntiken, Rafael und Michel Angelo, hat er auf eine ganzeigenthümliche, im akademischen Sinne unerhörte Art benutzt.
In seiner Lebensgeschichte, welche sein Freund Fernowmit grosser Ausführlichkeit veröffentlicht hat (das Lebendes armen Künstlers bot gar wenig interessante Begeben-heiten und meistens traurige!), wird seine Jugend undStudiengeschichte von ihm selbst mit der liebenswürdigstenNaivetät erzählt. Er war auf dem Lande geboren, in derNähe von Schleswig, in einem Lande und in Kreisen, wonie Kunst geblüht hatte, ja, wo kaum Kunde von solcherwar. Aber er hatte eine Mutter, welche in der Jugendspielend etwas gezeichnet und gemalt hatte, und das Talentzur Kunst und die Liebe zur Kunst war ihm angeboren.
Früh verwais't, musste er sich anderen Lebensberufenwidmen, und drang erst nach grossen Schwierigkeiten durchzu einer Laufbahn, von welcher ihm seine widerwilligenVormünder voraussagten, dass sie ihm Unglück bringenwürde. Sie hat ihm dessen, im Sinne gewöhnlicher Lebens-.anschauung, genug gebracht.
Aus dem Kampf mit dem bürgerlichen Philisteriumkaum entronnen, gerieth er in den Kampf mit dem künst-lerischen Philisterium: geordnete Lebenskreise dulden keinGenie.
Es würde zu weit führen, wollte ich hier auf das Ein-zelne weiter eingehen, es fällt mir jedoch eine charakteris-tische Anekdote aus Carstens' Leben ein, welche den armenkunstenthusiasmirten Landjungen in sonderbarer Weise miteinem grossen Meister seiner Zeit in Verbindung bringt.