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Regel, nicht auch, wie theilweise bei Goethe, mit antiqua-rischem Interesse verwebt, sondern er hatte sich ganz hinein-gelebt in die antike Welt, sie war ihm eigen geworden, erahmte die Alten nicht nach, er dachte und fühlte und bil-dete wie sie.
Desshalb auch ist in Carstens' Werken durchaus nichtdie Nachahmung antiker Sculptur zu spüren, seine Figurenerinnern nicht an antike Statuen und Reliefs; seine Bildersind malerisch componirt und würden sich malen lassen,freilich wohl nicht im Sinne modernster Malerei.
Es ist in seinen Werken etwas, das an Michael Angeloerinnert, eine ähnliche Sinnesart und manchmal ähnlicheDarstellungsweise.
Vergleiche hinken: Der Zögling des grössten fürst-lichen Hauses, zugleich des kunstfreundlichsten Hauses deskunstfreundlichsten Landes der Welt, in dessen glänzendsterZeit ist freilich ein anderer Heros geworden als derSohn des Dorfmüllers in einer entlegenen bäurischen Pro-vinz des deutschen Nordens, welcher, um seine Kunst müh-sam aus sich selbst zu erlernen und nicht darüber zu ver-hungern, Porträts in Rötheizeichnung und in Miniaturmachen musste. Wer will ermessen, was die Umständeaus dem Menschen machen?
Carstens war sein eigener Meister und sein eigener^ -Schüler, ein Autodidakt und im Sinne seiner akademischenKunst- und Zeitgenossen eher ein Dilettant als ein Künstler.
Diese Entstehung giebt seinen Werken einen besonderenCharakter: so vollkommen sie auch im Ganzen gedacht undgemacht sind, so vollkommen in ihnen sich Form und In-halt entsprechen, so sind sie doch nicht immer im Einzelnenund überall vollkommen; sie sind fast alle, und so dachtesie sich der Künstler, nur Entwürfe und Vorarbeiten fürspätere Ausführung.
Es ist der malende Dichter vielmehr, welcher aus diesenWerken zu uns spricht, als der bildende Künstler, und wenndie bildenden Künstler ein Verfahren wie das, aus welchem