— 15 —
Zur selben Zeit war in Belgien die Rubens'sche Schulenicht erwacht, nein, vom Tode auferstanden. Seit dem An-fange des siebenzehnten Jahrhunderts etwa war in Belgiendie Kunst allmählich eingeschlafen, wie alles Andere. Untereiner ruhigen, bequemen, halb national-aristokratischen, halbfremden Herrschaft war in dem einst so rührigen Lande einvollkommener behaglicher Stillstand eingetreten; Rubenshatte seinen Wirkungskreis noch meistens im Lande undunter seinem Volke gefunden, — van Dyck schon nichtmehr, und ihre Nachfolger schleppten sich gemüthlich in her-kömmlichen, allmählich handwerksmässigem Treiben weiter,ohne Geist und ohne Fortschritt, einige Zeit noch von altenTraditionen lebend und dann jählings und tief verfallend.
Und dann kam die Revolution und die französischeHerrschaft, und mit ihr die classische Kunstweise; die David'-sche Schule herrschte in Brüssel und Antwerpen eben sounumschränkt, wie in Paris.
Da' erwachte die vlaemische Nationalität wieder —Belgien machte sich unabhängig, und wie das Vaterlands-gefühl Alle durchdrang, so auch die Künstler, zwar nichtdie alten, aber die jungen, und diese suchten und fandendie nationale Kunst wieder, sie suchten sie bei ihrem grösstenMeister und fanden sie bei ihm. Wappers und bald nach,ihm Andere schienen plötzlich wieder aus Rubens' Werk-statt hervergegangen zu sein und machten ihrem Meisterkeine Unehre.
Die romantische Kunstrichtung- in Deutschland wie inFrankreich suchte' nach der Farbe und nun schien sie plötz-lich gefunden.
Diese neuen belgischen Meister haben einen unendlichenEinfluss gehabt, in Frankreich wie in Deutschland; unseredeutschen Kunstjünger sind scharenweise nach Antwerpengewandert und haben an den Ufern der Scheide die eigent-liche kastalische Quelle der Künstbegeisterung und Kunst-befähigung gesucht, wie sie so Viele früher und später inParis gesucht haben.