anderen? ist es doch zunächst die Form, durch welchedie Kunst zur Erscheinung kommt und ihre Wirkungenerreicht.
Jene akademische Kunstweise, welche für unsere Kunstso verderblich war, dass in der Zeit, wo sie herrschte, fastnichts g-eschaffen wurde, was eine dauernde Bedeutung,eine innere Lebensfähigkeit hatte, war es für die französi-sche Kunst keineswegs. Die akademische Kunst, welchebei uns ein fremdes, von aussen eingeführtes Wesen war,welches uns selbst entfremdete, war es in Frankreich nicht,sie war ein Product der französischen Kultur und Sinnes-art, sie war in Frankreich national und einheimisch.
Denn in Frankreich gab es bis zur zweiten Hälfte desvorigen Jahrhunderts kein Volk, obschon es eine Nationalitätgab; diese concentrirte sich gänzlich im Könige, in demHofe und in der vornehmen Gesellschaft.
Ludwig's XIV. Wort: L'Etat c'est moi, war gar keineAufschneiderei, keine Anmassung, es war der richtige Aus-druck für das Wesen des Landes und des Volkes.
Und in dieser Verkörperung hatte das französischeVolk, wie in der Politik, so auch in der Wissenschaft undin der Kunst die erste Stelle in Europa errungen oderdoch sich angemasst, und alle Welt beugte sich unter seinerHerrschaft.
Der Vorort der Kunst war nicht mehr Rom, es warParis; in der alten Hauptstadt der Künste schleppten diesenur noch ein herkömmliches Leben, die Reste vergangenerLebenskraft hin; neben der alten Akademie von San Luca,worin die italienische Kunst ihre letzte Lebensthätigkeitäusserte, entstand in Rom selbst eine französische Aka-demie, eine nationale Kunstschule auf dem fremden, demclassischen und historischen Boden der Kunst.
Uns scheinen ihre Producte meistens kalt und fremdund unerquicklich, aber für das Publicum, für welches siegeschaffen wurden, waren sie es nicht; jene hochgebildete