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Avar der allzu tolle Wust, den das siebenzehnte Jahrhundertin die Kunst gebracht, bereits abgestreift, man hatte sichernüchtert, man studirte eifrig den Rafael den Titianund den Correggio, auch wohl die Antike, und glaubteihre guten Eigenschaften vereinigen und übertreffen zukönnen; aber die Unnatur der Zeit und der Sitte durch-drang Alles, und die abstracte Bewusstheit hinderte jedeindividuelle Willensäusserung und damit alles frische Leben.
An technischer Fertigkeit fehlte es keineswegs, imGegentheil, die Herren Professoren des vorigen Jahrhundertsverstanden ihr Handwerk sehr wohl, und wir sehen mit-unter Werke jener Zeit, welche die Geschicklichkeit derModernen kühn in die Schranken fordern können. Aberdie Seele fehlte; nach Regeln kann man nicht empfindenund nicht erfinden, und so lief Alles auf pathetische Phrasenhinaus oder auf ein Spiel des Witzes und süssliche Ziererei.
Da kam durch Winckelmann und Lessing ein neuesWesen in die geistige Welt; die griechischen Götter er-standen zum zweiten Male und fegten gewaltsam die ge-puderten und ungepuderten falschen römisch-französischenOlympier von ihrem usurpirten Sitze.
Wie einst die Götterbilder aus der Erde gegrabenwurden und die Kunst umwandelten, so wurden sie nunauch geistig wieder entdeckt und wirkten wieder auf gleicheWeise. Da entstand die classische französische Schule durchDavid und bei den Unseren der wunderbare Carstens undSchick und Wächter.
Wie Goethe und Schiller sich an den Griechen be-geisterten und ihre Dichtung läuterten, so erhoben sichdie Maler und Bildner an den Mustern der griechischenKunst und durchdrangen sich mit dem Geiste der Alten.Carstens ist ganz ein Dichter im Sinne der Alten, undSchicks Apollo ist ganz rafaelisch, ohne dass man ihneine Nachahmung Rafael's nennen könnte; er hat wieRafael die Antike studirt und mit ähnlichem Erfolg.
Leider fanden unsere grossen Künstler keinen Boden