— IX —
der Vormund seufzend ihre Einwilligung, mit dem Be-dauern, was man empfindet, wenn eine geliebte Person in'sUnglück rennt. Nach dem Begriff der Menschen hattensie vollständig recht, denn sein Entschluss hat ihm Unglückim Sinne alltäglicher Weltanschauung genug gebracht.
Wie schwer der Kampf war, den er ausfechten musste,ergiebt sich aus einem Briefe, den Hermann Becker am14. Februar 1839 von seinem Jugendfreunde Dr. H. W.Spengel erhielt, welcher damals in Berlin studirte. DerBrief lautet:
„Was den Gegenstand Deines Schreibens betrifft, sodarf ich allerdings nicht läugnen, dass er mich überraschthat, auch mit dem Kopfschütteln hat sich Deine Ver-muthung eben nicht sehr geirrt, doch scheinen mir DeineGründe, und dass sie endlich gesiegt haben, freut mich umDeinetwillen. Auch wenn nicht schon Alles beschlossenwäre, und meine Stimme noch Einfluss auf Deinen Ent-schluss haben könnte, würde ich doch Dich darin be-stärken, jetzt kann ich nur Dir Glück wünschen, und Dichzur kräftigsten Beharrlichkeit anfeuern. Dass Du erst jetztaus den Fesseln eines für Dich nothwendig drückendenund beengenden Berufes Dich herauswinden konntest, istfreilich Pech, und ich bin der Ansicht (die Du vielleichtnicht theilst,) dass Du, wenn Du zur rechten Zeit Dichzum Studium der Wissenschaften gewendet hättest, zudiesen wohl noch mehr Neigung und Beruf gehabt habenwürdest, als zur Kunst, doch — einen neuen Menschenanzuziehen (die Herrenhuter nennen's Durchbruch), ist's niezu spät. Lieber heute als morgen, aber lieber morgen, alsgar nicht. — Deine Mutter hat sich wohl so eigentlichnur darein ergeben, oder bist Du so glücklich gewesen,