Druckschrift 
Deutsche Maler : von Asmus Jakob Carstens an bis auf die neuere Zeit
Entstehung
Seite
VII
Einzelbild herunterladen
 

VII '

Schlüsselblumen zusammengestellt war. Sehr schwulstigeVerse erklärten gewöhnlich die Darstellung. Diesen Kunst-leistungen entsprach auch die Unterrichtsmethode desLehrers. Er Hess seine Schüler einen Schnörkel zeichnen,dann nach der Vollendung einen zweiten anfügen und sofort, bis aus den verschiedenen Schnörkeln eine Blume,eine Urne oder ein anderer Gegenstand sich entwickelte.Viel zu lernen war bei dieser geistlosen Methode nicht,aber die Anregung genügte dem Knaben und durch seineAusdauer lernte er dennoch genug, um weiter streben zukönnen.

Er hatte die Realschule absolvirt und war confirmirtworden, als sein Vater den nun sechszehnjährigen jungenMenschen nach Harburg in eine Droguenhandlung brachte,damit er dort die Handlung erlerne. Hier lernte er nebenseinem neuen Beruf auch die englische Sprache beherr-schen, denn im Hause seines Principals war dies die Um-gangssprache.

Von Wissenschaft und Kunst war in dem betrieb-samen Handelshause keine Rede, hier galten nur Zahlenund Waarensorten, deshalb sehnte er sich auch wiedernach Hamburg, wo doch wenigstens einige Anregung zufinden war, aber der Vater erfüllte den Wunsch seinesSohnes erst nach absolvirter Lehrzeit und rief ihn nurzurück, damit er dort als jüngster Commis und Laden-gehülfe in ein Materialwaarengeschäft eintrete. Nun istaber der Beruf eines Ladengehülfen schlecht geeignet füreinen jungen Mann, der nur für Kunst und Wissenschaftglüht und so war es natürlich, dass er sich bald doppeltunglücklich fühlte. Dem strengen Vater durfte er seineNeigungen nicht anvertrauen, denn der hätte den Sohn