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Geschichte der Grafen von Winzenburg
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einer Zeit erscheinen, in welcher der Kampf der Aufständischengegen die Vertreter der kaiserlichen Autorität sich günstigerzu gestalten begann. Auch die Thätigkeit der kirchlichen Parteiin Deutschland gewann nach dem am 18. Januar 1118 erfolgtenTode des Papstes Paschalis IL neues Leben, als der Legat desneuen Papstes Gelasius IL, Kuno von Präneste, nach Ostern anden Rhein kam und über den Kaiser wie über die Führer seinerPartei das Anathem aussprach. Wollte Hermann dem gleichenSchicksal entgehen, so blieb ihm nur übrig, sich dem Papste zuunterwerfen. Weiter scheinen die Verhältnisse in Westfalenseinen Entschluss zum Abfall beeinflusst zu haben. Hier wares dem mannhaften Auftreten des Herzogs Lothar gelungen,seiner Partei das Uebergewicht zu sichern. Als daher derBischofstuhl in Münster durch den Tod des kaisertreuen BischofsBurchard am 19. März 1118 frei wurde, galt es, ihn durch einenMann der entgegengesetzten Richtung zu ersetzen. Lothar fandihn in Dietrich, dem Bruder unseres Hermann von Winzenburg,und man wird sich der Vermuthung nicht verschliessen können,dass der Abfall Hermanns vom Kaiser, der sonach etwa imMai 1118 stattfand, der Preis für die Erhebung seines Brudersauf den Bischofstuhl in Münster war.

Die Lage des Kaisers zu Anfang des Jahres 1119 warnicht geeignet, den Drohungen seines Zornes, die er bei seinerRückkehr aus Italien hören Hess, ferner freien Lauf und Nach-druck zu geben. Die aufständischen Fürsten verlangten vonihm, dass er sich mit seinem ärgsten Feinde, dem ErzbischofGuido von Vienne, welcher nach dem kaum einjährigen Ponti-flcat des Gelasius als Calixt IL den päpstlichen Stuhl bestiegenhatte, versöhnen solle, und als seine Verhandlungen mit diesemdie wechselseitige Erbitterung so erhöhete, dass Calixt auf demConcil zu Rheims (20. bis 30. October 1119) den Bann gegenHeinrich V. wiederholte, schien der Friede noch mehr in Fragegestellt 1 ). Der Kaiser strebte daher vor Allem eine Versöhnungmit den sächsischen Fürsten an und zog zu dem Zwecke nachWorms, wo es ihm auch gelang, eine Reihe seiner heftigstenGegner zu versöhnen 2 ). Von da zog er nach dem Rheine, dann

») Hessonis relat. in M. G. SS. XII, 428. — 2 ) Nach den Ann. Palitl.und Ekkehardi chron. fand die Versöhnung in Tribur statt.