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Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik
Entstehung
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Beziehung auf das Unbedingte entspringt, nicht die Rede vonSubjektivismus und Spiel, sondern von der Angleichung desbegrenzten Werkes an das Absolute, von seiner völligen Ob-jektivierung um den Preis seines Untergangs. Diese Form derIronie stammt aus dem Geiste der Kunst, nicht aus dem Willendes Künstlers. Es versteht sich von selbst, daß sie, wie dieKritik, sich nur in der Reflexion darstellen kann 215 ). Reflexivist auch die Ironisierung des Stoffes, doch beruht diese auf einersubjektiven, spielerischen Reflexion des Autors. Die Ironiedes Stoffes vernichtet diesen; sie ist negativ und subjektiv,positiv und objektiv dagegen die der Form. Die eigentümlichePositivität dieser Ironie ist zugleich ihr unterscheidendes Merk-mal von der ebenfalls objektiv-gerichteten Kritik. Wie verhältsich die Zerstörung der Illusion in der Kunstform durch dieIronie zur Zerstörung des Werkes durch die Kritik? Die Kritikopfert um des Einen Zusammenhanges willen das Werk gänz-lich. Dasjenige Verfahren dagegen, welches unter Erhaltungdes Werkes selbst dennoch seine völlige Bezogenheit auf dieIdee der Kunst zu veranschaulichen vermag, ist die (formale)Ironie. Sie zerstört nicht allein das Werk nicht, das sie angreift,sondern sie nähert es selbst der UnzerstÖrbarkeit. Durchdie Zerstörung der bestimmten Darstellungsform des Werkesin der Ironie wird die relative Einheit des Einzelwerkes tieferin che der Kunst als des Universalwerkes zurückgestoßen, siewird, ohne verloren zu gehen, völlig auf diese bezogen. Dennnur graduell ist die Einheit des Einzelwerkes von der der Kunst,in welche sie sich jederzeit in Ironie und Kritik verschiebt,unterschieden. Die Romantiker selbst hätten die Ironie nichtals künstlerisch empfinden können, wenn sie in ihr die absoluteZersetzung des Werkes gesehen hätten. Daher betont Schlegelin der genannten Bemerkung (s. o. p. 74) die Unzerstörbarkeitdes Werkes. — Um dieses Verhältnis abschließend deutlich zumachen, ist ein doppelter Formbegriff einzuführen: Die be-stimmte Form des einzelnen Werkes, die man als Darstellungs-form bezeichnen möge, wird das. Opfer ironischer Zersetzung.

216 ) Der reflexive Charakter der Ironie ist in Tiecks Dramenbesonders deutlich. Bekanntlich spielen in allen Literaturkomödiendie Zuschauer, der Autor, das T-heaterpersonal mit. Pulver weisteine vierfache Reflexion an einer Stelle nach: das Gemüt des Ge-nießenden bezeichnet die erste Spiegelung, der Zuschauer auf derSzene die zweite; dann beginnt der Schauspieler über sich selbstin seiner Eigenschaft als Mime zu reflexieren, und endlich versinkter in ironische Selbstbetrachtung.