der Zeit Jemehr Stammescharakter und Eigenart ein folchesSingbuch hat, um fo beffer; denn uns Deutfchen liegt das Indivi-duelle, und das ift unfere befondere Kraft
Im Vorliegenden ift noch einmal derVerfuch gemacht worden,unter Benutzung aller Wandervogel-Liederquellen eine Gefamt-darftellung deutfchen Wandervogelfingens zu geben, obwohl dieseigentlich nicht mehr gut möglich i[t
Befonderer Dank gebührt dem Maler Hermann Pfeiffer, derabermals fehr feinfinnige Schattenriffe für den Zupfgeigenhans!gezeichnet hat, Dank auch allen Wandervögeln, die mit Rat undTat geholfen haben, Balfer, Dahmer, Jahnke, Schottky, Köhlerund meiner lieben Braut — Die Inhaber des Verlages FriedrichHofmeifter, und befonders Herr Günther in Leipzig, haben in einerWeife, die vollfte Anerkennung verdient, an dem Gelingen desWerkes mitgeholfen; auch ihnen unferen Dank!
Ein Punkt bedarf einer kurzen Klarlegung. Unlängft hatRittinghaus in der Monatszeitfchrift „Wandervogel" den Neutönerndas Wort geredet: der neuzeitliche Menfch — auch der Wander-vogel — bedürfe neuer Weifen, neuer Ausdrucksformen, das alte,klaffifche Volkslied fei in unferen Tagen eine rückfchrittliche Er-fcheinung. Das leuchtet zunächft ein.
Aber das Volkslied ift nun einmal da — daran können wirnicht vorbei —, es ergreift uns ftark und tief, und die Antwortauf das warum? bleiben wir fchuldig.
Was ift das alte, klaffifche Volkslied? Es ift das Lied desganzen, in fich noch gefchloffenen Menfchen, jenes ftarkenMenfchen, der alle Entwicklungsformen und -Möglichkeiten —in nuce wohl — noch in fich trug, der nur recht von Herzen zufingen brauchte, um dem ganzen Volke Herzenskünder zu werden.Diefe Art Menfchen lebt heute noch, draußen in den ftillenLandeswinkeln, fie aber neu zu fchaffen ift menfchenunmöglich,unmöglich, da aller Fortfehritt unferer Zeit auf einem Opfergleichfam des ganzen, vollen Lebens beruht, auf einem trotzigenSprunge ins Halbleben des Sonderberuflers vnd Spezialiften.Und kein Neutöner wird jenen allumfaffenden Ton in feinerBruft mehr finden, der an das große Ganze klingt, der es mit-reißt zu einem mächtigen, einftimmigen Liede. Warum? Weiler als Dichter und Sänger fchon viel zu fehr feine eigene, fchmaleStraße wandelt, abfeits vom Strome der Welt. Neue Kriegsnöte,