Zur Geschichte der bildenden Kunst in Düsseldorf.
kirche an der Nordseite errichtete steinerne Gruppe desgekreuzigten Heilandes, zu beiden Seiten die mitgekreuzigtenSchacher, unterhalb Maria, Johannes und der römischeHauptmann, ein werthvolles Denkmal der damaligen Zeitmit ihrer Auffassung voll naiver Innigkeit, welches imvergangenen Jahre leider einer modernen Arbeit hat weichenmüssen. Ungefähr derselben Zeit, dem fünfzehnten oderdem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts, entstammtauch das Bildwerk des h. Christophorus, das Christuskinddurch den Fluss tragend, im Innern der Lambertikirche;dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts das ebendaselbstvorhandene prunkvolle Denkmal, welches dem HerzogWilhelm V. von seinem Sohne Johann Wilhelm I. errichtetund von einem italienischen Künstler verfertigt wurde.
Als ein Begebniss von Bedeutung aus der frühestenZeit der Düsseldorfer Kunst ist es erwähnenswerth, dassder berühmte Meister Hans Holbein 1539 einige Zeit inDüsseldorf weilte und im Auftrage des Königs Heinrich VIII.von England das Bildniss der Prinzessin Anna, der Tochterdes Herzogs Johann III. (1511—1539) malte. Der Meisterwar von dem englischen Minister mit Weisung versehenund zauberte von der Prinzessin ein Bild auf die Leine-wand, das den König in Entzücken versetzte und ihn sofortzum Abschluss der Verlobung bewog. Beim Anblick desOriginals in persona war er nachher dann allerdings so ent-täuscht, dass er sofort hinausstürzte und eine Fluth vonSchimpfnamen (wie „grande cavale de Flandre" etc.) insehr unköniglicher Weise über die arme Braut losliess.Eine prachtvolle Pergamenturkunde, die Ehepackten ent-haltend, ein Meisterwerk der Kalligraphie mit Miniaturenund Initialen, welche dem kunstreichen Pinsel Holbeinszugeschrieben werden, befindet sich auf dem DüsseldorferProvinzial-Archiv.
Schon um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts,also im dritten Geburtsjahrhundert der Stadt, soll dieselbenach älteren Chronisten eine berühmte Kunststadt, dieseit 1545 eine Malerschule besass, gewesen sein. Doch wirdbei dieser Behauptung wohl etwas lokalpatriotische Färbungmitwirken, denn ganz abgesehen von den wirklich bedeuten-den Kunststädten aus jener Zeit wird damals Düsseldorfauch einen Vergleich mit seinen niederrheinischen undwestfälischen Nachbarinnen, am wenigsten beispielsweisemit Köln und seiner Malerschule oder selbst mit dem kleinenCalcar und seinem bedeutenden Meister schwerlich habenaufnehmen können. Scheinen seine Künstler sich zunächstdoch nur im Porträtfach, weniger dagegen in freigeschaffenen