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Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs.
kümmerten; Schultheissen, Amtleute, ja selbst eine Gerichts-behörde mussten erst durch Androhung oder Belegung mitStrafen von dem Landesherrn daran erinnert werden, dasssie zum Schutze der bestehenden Gesetze eingesetzt seien,eine Verletzung derselben nicht dulden, geschweige dennselbst vornehmen dürften, und es wäre vielleicht keinuninteressanter Beitrag zur Rechtsgeschichte jener Zeit,wollte man die Fälle eingehend behandeln, in denen einzelneAemter trotz dem klarsten Wortlaut des Gesetzes undtrotz wiederholter Verhängung von Geldstrafen seitens desLandesherren, es verstanden, die Ausführung der bündigstenRegierungs-Befehle Jahre lang hinzuhalten. Die nächsteStelle, bei welchen derartige Beschwerden angebracht werdenmussten, war für die Judenschaft ihr Vorgängeramt. DieErledigung aller dieser Beschwerden zum Schutze ihrerGlaubensgenossen verursachte den Vorgängern eine un-geheure Arbeitslast und es gehörte ebenso viel Wohlwollenund Liebe als Unerschrockenheit und Energie dazu, dieOrtsbehörden für derartige Ungebührlichkeiten höherenOrtes zu belangen, da sie sich der Gefahr aussetzten,ihrerseits von denselben mit ihrem Unwillen verfolgt zuwerden.
Neben Ausschreitungen des Pöbels besonders bei Beerdi-gung von jüdischen Leichen waren es auch Beeinträchtigungenihrer gewerblichen Rechte, Verletzungen ihres Eigentums-rechtes an Friedhöfen, Eingriffe in die dem Rabbiner zu-stehende Jurisdiction in Civilsachen, auch wohl grausameBehandlung bei Untersuchungen und Inhaftirungen, welcheden Vorgängern Veranlassung gaben, gegen die Uebertreterdes Gesetzes einzuschreiten. Man wollte es ja dem Judennicht eingestehen, dass er für seine Ueberzeugungen litte,dass dieser Bereitwilligkeit, für seinen Glauben Entsagung,Entbehrung, Kummer und Elend, Schmach und Entehrunghinzunehmen, eine ideale Gesinnung zu Grunde lag. Manerblickte in ihm nicht den idealen Dulder, sondern denverblendeten Träger falscher Ueberzeugungen; weil mandiese nicht gelten Hess, leugnete man auch den idealenGrundzug seines Charakters. Und doch ist es nur durchdiesen zu erklären, dass es überhaupt möglich war, Männerzu finden, welche sich den schweren Pflichten eines Vor-gängers unterzogen und die Arbeitslast nicht scheuten,die nicht nur durch Erledigung der laufenden Verwaltungs-geschäfte und durch die Grösse der mit einem solchen Postenverbundenen Verantwortlichkeit, sondern auch durch diefast täglich einlaufenden Beschwerden, durch die Unter-suchung und Feststellung des Sachverhalts, durch häufigeReisen und durch die Menge und Ausdehnung der schrift-